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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

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dem Johannesevangelium, dem dies Drama sonst offenbarsich anschließt, nach dem Verscheiden Christi stattfinden zulassen. Doch entkräftet diesen Zweifel das Tiroler Passions-spiel, aus den ersten Jahrzehnten des XV. Jahrhunderts, wogleichfalls Longinus, der hier 'Ritter' 1 ) angeredet wird, erstauftritt nach dem Bericht des Hauptmanns, nach der Klage derMaria und nachdem die Juden Jesus tot gefunden und deshalbdarauf verzichtet haben, ihm noch gleich den Schachern dieBeine zu zerbrechen. Longinus sagt hier ausdrücklich, er wolledurch seinen Stich nur absolute Gewißheit schaffen und fürden Fall, daß sich etwa durch Zauberkraft die Seele ver-borgen habe und doch noch ein Rest von Leben in dem Ge-kreuzigten sei, dieses austreiben durch Spaltung seiner Leberund seines Herzens, d. h. seiner rechten und linken Seite 3 )

x ) Das Rittertum wird in den deutschen Passionsspielen sehrfreigebig ausgeteilt. Sehr oft erscheinen alle Kriegsknechte des Pilatus,obgleich ihnen die niedrigste Henkerstätigkeit des Geißeins, Kreuz-nagelns, Kreuzaufrichtens obliegt, als Ritter und werden von Pilatusfeierlich mit diesem Titel angeredet. Teilweise mischen sich dabei,schon in der Benamsung dieser an plumpem und brutalem "Witz undscheußlicher Grausamkeit sich überbietenden Schergen, satirische Zügeim Neidhartstil ein, die auf das niedere städtisch-bäuerliche Publikumberechnet waren. Die Frage aber, ob Longinus als Ritter galt, währender doch vom Johanneischen Evangelium deutlich nur als einfacherSoldat bezeichnet war, ist verknüpft mit dem Zusammenfallen desLonginus und des Christi Gottheit bezeugenden Centurio. Sie ist fürdie Geschichte der ganzen Legende, namentlich für den Einfluß derbyzantinischen Gestaltung und für die literarische Rolle des Longinussehr bedeutsam. In den Longinus-Blutsegen erscheint Longinusoft als Ritter: s. z. B. Wolfs Zeitschr. f. deutsche Mythologie III 327;Zeitschr. f. d. Altertum XX 24. Im Egerer Christusspiel heißt er einedler man von art (V. 6754).

2 ) Nach kirchlichem Dogma stach der Soldat des JohanneischenEvangeliums in die rechte Seite Christi. Gestützt wird das durch dieAntiphone aus Ezech. 47,1-9, die in der Osterzeit bei der Weihwasser-sprengung vor der Messe gesungen wird: nach der rezipierten alle-gorischen Ausdeutung schildert hier der Prophet in einer Vision denSegen des aus dem Tempel, d. h. aus Christi durchstochener Seitesich ergießenden Stroms der Taufgnade, eines alle Geschöpfe am Lebenerhaltenden Wassers (vgl. Thalhofer-Eisenhofer, Handbuch derkathol. Liturgie Bd. I, Freiburg 1912, S. 587). Dort heißt es aquaedescendebant in latus templi dextrum ad meridiem altarisund ecce aquaeredundantes a latere dextro. (Einige patristische und mittelalterlicheÄußerungen über die Lage der Seitenwunde bei G. Duriez, La theologie