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Literatur und Kunst des Mittelalters
Longinus dicit ad servum, postquam venerunt ad crucenrAch lieber Knecht Heynrich,secze mer das spere glichund neyge em das sper zu synem herczen,das ich em korcze syn liden und smerczen!
Servus respondit:
Herre, das kan ich gar woil,
wie gern ich das tun sail,
und wel wyfsen das spere yn die sijten syn,
das ich volnende syn pynlEt sie servus ponit lanceam ad latus Christi et dicit:
Nu stich, herre! i[s ist zyt:
das spere gar eben anlyt!Et sie Longinus perforat latus Jhesu. Deinde mittit manus ultraoculos et dicit:
Edde werlich, dit ist goddes kynt!
ich was an beyden äugen blynt!
syn Mut ist an myn äugen kommen:
des neme ich viel gudden frommen,
das ich myn äugen Widder haben!
das dancken ich den goddes gnaden!Post hoc Longinus dicit ad Judeos:
0 we, ir bojsen Judden und ir rangen,
das ir Jhesum hant gefangen!
darumb sijt er alle nu vorlorn!
o we das ir ye wart geborn!
want ich von blude wart sehen:
des wel ich alwege fehen,
das hie goddes sone ist,
wäre mentsche und Jhesus Christ!
Man bemerkt schon an diesem Zitat aus dem weitver-breiteten hessischen Passionsspielkomplex: der Longinus aufder spätmittelalterlichen Bühne hat recht verschwommeneZüge. Zu den Soldaten der Kreuzigung und Kreuzigungs-wache kann er kaum gehören. Denn er ist blind, und er kommterst aus der Ferne herbei, nicht wie em zufällig Vorübergehender,sondern wie einer, der an der Kreuzigungsstätte irgendeinpersönliches Ziel zu erreichen hofft. Da er blind ist, bedarf ereines führenden, helfenden Dieners. Dadurch hebt sich aberder Eindruck seines Auftretens: er erscheint nicht mehr als
Lehramts (Matth. 4,15. 16, nach Jes. 9, lf.): Terra Zabulon . . . populus,qui sedebat in tenebris, vidit lucem magnam et sedentibus in regione umbraemortis lux orta est eis.