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Literatur und Kunst des Mittelalters
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und politischen Parteien neue Quellenprüfung helleres Lichtverbreitet, müssen wir jede Entscheidung vertagen.
Nur zweierlei läßt sich meiner Ansicht nach als sicher er-weisen: das Lanzenwunder wird getragen von dem Kultus derJerusalempilger, die in der Grabeskirche die heilige, inChristi Seite getauchte Waffe als Reliquie und als hohes Symbolverehrten; es wird ein Teil des frühen kirchlichen Imperialismus,der sich an den Namen Kaiser Konstantins durch die Legendeder Kreuzfindung knüpft, und der Speer des Soldatenwird, zuerst im Osten, ein politisches, dynastisches, nationales,staatsrechtliches Palladium der Weltherrschaft, dem auch diePerser gewisse magische Kräfte zutrauten. Spätestens im erstenVierteides VII. Jahrhunderts war diese religiös-politische Mystikdes Kultus der heiligen Lanze, die gleichzeitig einerseits Longinus-und Abendmahls-(Grals)-Lanze, andrerseits Konstantinslanzeist, in Konstantinopel voll entfaltet.
Von da zieht diese Mystik in einzelnen Stößen, die meinoben erwähntes Buch genau verfolgt, nach dem Abendlande:sie dringt nun in die lateinische Abendmahlsliturgieund durchsetzt auch die theologische Spekulation über das
beiden Symbolen des 'Kommens' Christi, dem "Wasser seiner Taufe,dem Blut seiner Kreuzigung, keinerlei reale Dinge, geschweige Be-standteile des menschlichen Fleisches zusammen, sondern Bilder fürüberirdische Kräfte. Mindestens für das "Wasser läßt sich das durchdurch keinerlei Deutungskünste bestreiten. Jene "Worte des Johanne-ischen Briefes lehren vielmehr, daß nur in der Einheit von Wasserund Blut (nicht im Wasser allein) Christi Kommen sich vollziehe.Danach kann auch Joh. 19, 34 nur auf die überirdische Doppel-natur Christi, in der göttliche und menschliche Substanz sich vereint,hinweisen, nicht aber bloß auf seine Fleischlichkeit. Gegen CorssensErklärung streiten z. B. auch die Zeugnisse des Origenes, Claudius Apolli-naris, das Glaubensbekenntnis des Bischofs Nestorius von 782 (s. Braun,Oriens christianus II, Bom 1902, S. 307f.): einig sind sie bei sonstigerVerschiedenheit darin, daß der Vorgang im Gegensatz steht zum natür-lichen Verhalten eines Leichnams, aus dem ein Stich weder Blut nochWasser hervortreibt. Der Evangelist will (trotz Blaß und Zahn!)Joh. 19, 34 ein Wunder erzählen und durch Autopsie beglaubigen, indem sich das christologische Mysterium der Menschwerdung Gottesverrät. Die speziellere Ausdeutung, namentlich ob und in welcherWeise der Evangelist bereits eine Beziehung auf die Sakramente derTaufe und des Abendmahls beabsichtigte, bleibt zweifelhaft. — Überdie sonstigen Erklärungen s. Bernh. Weiß, Das Joh.-Evang. 8 , Gott.1893, S. 599ff.; Th. Zahn, Das Evang. d. Joh. S. 650ff. (bes. Anm. 20).