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1,1 (1925) Mittelalter
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Der Judenspieß und die Longinussage

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sein wird. In der Tat wäre es recht wohl möglich, daß desChrysostomos antiochenischer Matthäustext mit der Speer-interpolation auch unter Zenon in Konstantinopel bekanntgewesen ist, daß hingegen in jener 'alten' Handschrift desMatthäus der unbequeme Zusatz, der den Lanzenstich mehrin die Sphäre menschlich individuellen Lebens undpsychologischer Kausalität rückt, mit Rücksicht auf denBericht des autoritativen Johannesevangeliums, sei es vonvornherein oder nachträglich bei der Disputation im Jahre 510,ausgemerzt wurde. Der damaligen kaiserlichen Religions-politik darf man solche Mittel wohl zutrauen. Es ist jedesfallssehr zu beachten, daß in der kaiserlichen Hofkapelle die Grün-donnerstagslektion aus jenem angeblichen Barnabasautographgelesen wurde (Alexander Monachos a. a. 0.). Meldet doch dieChronik des afrikanischen Bischofs Victor von Tunnunafast für dieselbe Zeit (506), daß auf Befehl des Kaisers Anastasiosdie heiligen Evangelien, als ob ihre Verfasser, die Evangelisten,Idioten wären, kritisiert und emendiert worden seien (Mon.German. Auct. Ant. XI, Chron. min. II ed. Mommsen S. 194Z. 10f.). Indessen solange wir nicht bestimmtere Zeugnissehaben, solange nicht über die dogmatische Bedeutung derJohannesstelle, die selbst heute noch sehr verschieden erklärtwird 1 ), und ihre Ausnutzung durch die einzelnen theologischen

x ) Peter Corssen, Monarchianische Prologe zu den vier Evan-gelien (v. Gebhardt und Harnack, Texte und Untersuchungen XV 1),Leipzig 1897, S. 129f. hat für Joh. 19, 34 ('und es kam sogleich herausBlut und Wasser') die Erklärung aufgestellt, es sei dem Evangelistendarauf angekommen, zu betonen, daß wirklich menschliches Fleischgekreuzigt sei. Trotz der Tatsache, daß aus einem Leichnam durcheinen Stich in die Seite höchstens unter gewissen Umständen (wennder Stich innerhalb einer Stunde nach dem Tode erfolgt) Blut, aberniemals Wasser herausfließe, soll der Vorgang nicht etwa als Wundergedacht sein. Der Verfasser sei kein gelehrter Anatom, und aus 1. Joh. 5,6, wo Taufe und Tod des Herrn durch Symbole Wasser und Blut be-zeichnet sind, folge, daß die dem Lanzenstich zugeschriebene Wirkungnur der doketischen Irrlehre, es sei ein bloßer Scheinleib gekreuzigt,während der wirkliche Christus in seiner Göttlichkeit davon unberührtblieb, widersprechen solle. Diese Ansicht, die sich Loofs Realenzyklop.f. prot. Theologie IV (1898) S. 29 Z. 37ff. mit ausführlicher Begründungangeeignet hat, leuchtet wenig ein. Namentlich die Berufung auf1. Joh. 5, 6 ist für sie ohne Gewicht: allerdings bietet diese Stelle denSchlüssel für das Phänomen der Seiten wunde. Aber sie spricht geradegegen eine kreatürlich-physiologische Auffassung, sie stellt in den

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