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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

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Auch Severos von Antiochien (f 538) bezeugt ineinem nach 518 geschriebenen Brief (Epist. libr. 9, ep. 26:Assemani, Bibliotheca orientalis II, Romae 1721, S. 81f.),daß dieser Zusatz sich in die Evangelienerklärung des Chry-so tomos eingeschlichen habe, und ebenso in den Kommentardes Kyrill von Alexandria (f 444). Jedesfalls hat die Fragenach der Echtheit dieses Zusatzes und seine Deutung im Verhält-nis zu der gleichfalls verschieden aufgefaßten widersprechendenDarstellung des vierten Evangeliums in den christologischenStreitigkeiten des VI. Jahrhunderts auf dem Boden desbyzantinischen Reichs eine beträchtliche Rolle gespielt, diewohl nähere Untersuchung verdiente. Severos von Antiochienberichtet in jenem Brief, daß darüber zu Konstantinopel (imJahre 510) zwischen dem Bischof und späteren Patriarchenvon Konstantionpel, Makedonios, einem Anhänger derOrthodoxie des chalkedonischen Konzils (s. Hefele, Konzilien-geechichte 2 II 569. 623f. 689), und ihm, dem Führer eines ge-mäßigten Monophysitismus, lebhaft gestritten worden sei undschließlich die Entscheidung ein alter prächtig geschriebenerMatthäuskodex gebracht habe, der unter Kaiser Zenon (474 bis491) zusammen mit dem Körper des Apostels Barnabas inZypern aufgefunden worden war und in der kaiserlichenBurg zu Byzanz mit großer Verehrung aufbewahrtwurde. In diesem Kodex habe die fragliche Stelle dem Matthäus-evangelium gefehlt.

Die Antezedentien dieser Beweisurkunde sind aus mehrals einem Grunde höchst verdächtig. Nach anderen Berichtendes VI. Jahrhunderts (Alexander Monachos, Migne Patr.Graeca 87, S. 4102L; Theodoros Anagnostes ebd. 88, S. 183B,vgl. Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten II 2, Braun-schweig 1894, S. 298 ff.) war das im Grabe des Barnabas aufdessen Brust gefundene Exemplar des Matthäus von dem Reise-begleiter des Paulus selbst geschrieben und wurde in dem Kampfdes Bischofs von Zypern für die Selbständigkeit und den aposto-lischen Charakter seines Bischofssitzes und für dessen Unab-hängigkeit von Antiochia als Waffe benutzt. UnbefangeneBetrachtung kann zunächst und an sich nur vermuten, daß indiesem aus religiösen, nationalen und politischen Tendenzenentsprungenen Fund wohl auch der Text des Evangeliums mitBerechnung im unantiochenischen Sinn präpariert gewesen