Der Judenspieß und die Longinussage
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(f kurz vor 394). Er, der dogmatische Begründer der Anti-ochenischen Theologenschule, die Säule der Orthodoxie in denKämpfen gegen die Arianer und einer der maßgebenden Führerder zweiten ökumenischen Synode zu Konstantinopel (381),.in deren Folgen der uns so wohlbekannte arianische Goten-bischof Wulfila tragisch verstrickt ward, hat Kommentare zurBibel nach den grammatisch-historischen Grundsätzen, vorzugs-weise mit Rücksicht auf den "Wortsinn, auf die geschichtlichenBeziehungen und auf das messianische Element, verfaßt, dieuns nur in geringen, zerstreuten Bruchstücken erhalten sind(s. Adolf Harnack, Realenzyklopädie f. protestant. Theo-logie 3 1898 IV 673ff.; Bardenhewer, Patrologie 3 1910,S. 292f.). Kaum vierzig Jahre aber nach seinem Tode verfielseine Christologie, seine scheinbare Auflösung der gottmensch-lichen Natur in zwei Personen, dem Verdacht der Häresie.Möglich, daß in seiner später als Quelle der nestorianischenKetzerei angefochtenen Lehre auch die Interpolation desMatthäusevangeliums einen Platz fand.
Gekannt hatte diese Interpolation jedesfalls sein Schüler,der große Johannes Chrysostomos. Denn daß er sie inseinem Text des Matthäus wirklich gelesen hat, stellt meinesErachtens außer Zweifel der an die Interpolation so völlig an-klingende Wortlaut seiner 88. Homilie in Matthäum (ed. Mont-faucon VII 825C, Migne Patr. Gr. 757, 776): etegos de hqo-osX&cüv Xoyxj] avrov vtjv 7tXevqav Evvge. Gleichzeitig hat er aller-dings in harmonistischem Verfahren damit die JohanneischeDarstellung durch die Erklärung vereinbart, daß der Lanzen-stich gegen den toten Christus (ctg vex^bv ewua) gerichtetgewesen sei 1 ).
!) Theodor Zahn, Forschungen zur Geschichte des neutesta-mentlichen Kanons Bd.I, Erlangen 1881, S. 27 urteilt: 'darnach scheintChrysostomos -wirklich hinter Matth. 27, 48 diese Zutat im Text gehabtzu haben'. Unbegreiflich, wie er trotzdem dieser Erkenntnis sich dannwieder verschließen und wie ihm die Angabe des Scholiasten im Gegen-satz zu Burgon, der sie mit Recht 'vollkommen korrekt' genannt hatte,,als 'ein auf oberflächlicher Beobachtung beruhender Irrtum' erscheinenkonnte. Der Scholiast sagt ja gar nicht, daß Chrysostomos Christusdurch den Lanzenstich habe sterben lassen. Er spricht nur von seinemText: xovxo ?.sysi xai ö Xqvo6g-coi.ios, und das ist in der Tat 'vollkommenkorrekt'. Ob wirklich dieser Text den Zusatz nach V. 48 bot und erstdie Quelle der oben genannten Bibelhss., ihn hinter V. 49 rückend, den.stilistischen Anstoß (s. o. S. 176) hervorrief?
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