Der Judenspieß und die Longinussage
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Nur so viel möchte ich hier andeuten. Nachzuweisen, daßdie Worte an dieser Matthäusstelle ursprünglich waren und wegendes Widerspruchs gegen Joh. 19, 34 frühzeitig von den meistenHandschriften getilgt wurden, hat man bisher ernsthaft niemalsversucht. Hält man aber, im Einklang mit der allgemeinenAuffassung der modernen Bibelkritik, die Worte für einen Zusatz,dann besteht, falls sich ermitteln läßt, daß sie für eine bestimmtedogmatische oder politische Tendenz oder etwa dieInteressen eines bestimmten Wallfahrerkultus alsStütze verwendet worden sind, der Verdacht, daß diese Ein-schaltung einem solchen Zwecke auch ihre Entstehung dankt.Und für die Textkritik des Neuen Testaments ergäbe sich dann,daß diese Einschaltung zwar sehr alt sein muß, daß aber keines-wegs deshalb „all die Zeugen, die sie enthalten und die sonstoft sehr weit auseinandergehen, auf ein und dasselbe Exemplarzurückgehen müssen", wie Nestle (Einführung in das NeueTestament 3 , Göttingen, 1909 S. 245) meinte, daß vielmehr dievon ihm als unwahrscheinlich ausgeschlossene „dritte Mög-lichkeit" erwogen werden müßte: „es könnte in verschiedeneExemplare unabhängig voneinander derselbe Satz an derselbenStelle in den Text gekommen" sein, wenn eben dieselbe dog-matische, politische oder Pilgertendenz dazu trieb, diese Inter-polation in sonst verschiedene Exemplare einzufügen.
Man hat in dem Spott des Kelsos über die Speerwundedes göttlichen Christus (bei Origines Contra Celsum 2, 36) undim Barnabasbrief 1 ) Spuren des gegen den noch lebenden
x ) Kap. VII 9 (Ed. v. Gebhardt et Harnack, Patr. apostol. opera 2I 1, Lipsiae 1876, S. 36f.): Oi>% oizög sanv ov noxe ■fifietg ioTavgtiaaße-v££ovfrevi?ioavTEg v.al y.aTay.Evv>)aavTeg y.ai ißsivöoavveg; Das übersetzt Hein-rich Veil (Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen, Tüb.-Leipz.1904, S. 156 Z. 39f.): „Ist das nicht der, den wir einst verhöhnt,gestoßen, angespuckt und dann gekreuzigt haben?" Die hier vor-liegende allegorische Präfiguration der Passionsakte durch alttesta-mentliche Opferriten ist uns nicht vollkommen klar, weil wir nicht imeinzelnen die gemeinten Handlungen kennen. Aber sicherlich gilt dasy.ataxsvz^oavTsg einem Vorgang in diesem Oplerritus, der den Schlägenentspricht, die Jesus vor seiner Hinwegführung zur Kreuzigungsstätteerhielt (Matth. 26, 67; 27, 30; Marc. 14, 65; 15, 19; Luc. 22, 63). DieseHinwegführung des Verurteilten, Mißhandelten, durch den roten Purpur-mantel Verhöhnten zum Richtplatz der Kreuzigung steht genau parallelmit der Hinwegführung des verfluchten, angespienen, geschlagenen undmit Scharlach umkränzten Opferbocks zu seinem Absturz vom Felsen
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