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Literatur und Kunst des Mittelalters
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das Hinabsteigen zur Unterwelt, das Aufsteigen zu den gött-lichen Wesen des Himmels. Und der Kern dieser liturgischenMystik dauert fort in der Gralprozession und Gralliturgieder französischen und deutschen Dichtungen des 12. und13. Jahrhunderts.
Wenig scheinen mir zu fruchten so allgemeine spekulativgefaßte Axiome wie die: „Paradies und Lebensspeise sindKorrelate" (S. 31) oder „Gleichsetzung von Paradies mitElysium und Austausch ihrer Attribute" (S. 31) oder „dieIdeengruppe (!) Paradies = Gottesgarten, Gottesberg, Gottes-palast (Burg, Stadt) mit Lebenstrank und Lebensspeise lebtin der Grallegende fort" (S. 47) oder „die Gralburg ... istdas uralte Paradies mit dem Baum und Wasser des Lebensam Thron Gottes" (S. 48). Das ist wirklich nicht mehr wert als derträumende Tiefsinn der Görres, Creuzer, von der Hagen, Hammer.
Nur die feste Umschreibung, die bestimmte Analyse einesgeschichtlich nach Ort und Zeit und Nation fixierten Sagen-zugs oder Mythologems als individuellen Phänomens, alsStück gleichsam persönlichen Lebens, persönlicher Phantasie— es mag immerhin gemeinsamer Besitz einer Volksmassesein — hilft uns zu wirklich wissenschaftlicher Erkenntnisder Entwicklung religiöser, mythologischer Motive. Die„Ideengruppen" haben keine Entwicklung, denn sie habenund hatten kein reales Leben, sie sind ja nur Abstraktionen,nur Hilfskonstruktionen unserer Systematik oder gar Hirn-gespinnste einer verwerflichen Spekulation. Jedes religiöseoder mythologische Motiv, sei es nun christlich oder nicht-christlich, lebt nur in der Phantasie bestimmter Menschen-gruppen und kann in seinem Werden und in seiner Wandlungnur erforscht werden mit derselben empirischen, genetischenMethode wie ein künstlerisches oder literarisches Motiv, wieder Prozeß irgendeiner sprachlichen Bildung.
Für die Beschreibung der Gralburg und des Graltempelsim jüngeren Titurel hat allerdings die Schilderung des himm rlischen Jerusalem der Apokalypse Farben geliefert (S. 43).Aber der geschichtliche Kern des Sagenmotivs der Gralburgund des Graltempels ist die irdische Verkörperung dieseshimmlischen Jerusalems für den mittelalterlischen Menschen,die historische, reale Grabeskirche und der sog. SalomonischePalast von Jerusalem, genauer: die Vorstellung, die man in