Der Ursprung der Grallegende
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Deutschland davon hatte, wobei besonders byzantinischeBauten wie die Hagia Sophia mitspielten. Das läßt sich imeinzelnen nachweisen. Es ist möglich, daß in der mit der Gral-sage später verknüpften Artussage Unterweltsvorstellungenkeltischer Herkunft nachklingen (Staerk S. 50ff.). Aber diesesschwierigsten und dunkelsten Problems wird man nicht Herrmit einem allgemeinen religionswissenschaftlichen Dogma wiedem folgenden: „Im (babylonischen) Mythos von Istars Höllen-fahrt begegnen wir der Vorstellung, daß das Lebenswasserin der Unterwelt verwahrt wird — Unterwelt und Paradiesfließen hier zusammen, wie bei den Griechen Elysium undHades gleichmäßig am westlichen Okeanos liegen oder. . .Odins Walhall ursprünglich die Totenwelt ist" (S. 46. 51).
Jedesfalls darf man nicht verkennen, daß der Gedanke: „Ausdem Grabe Leben, durch den Tod Unsterblichkeit" der eigent-liche mystische Kern zahlreicher antiker Liturgien und auchder griechischen Abendmahlsliturgie ist, deren romanhaftesAbbild die Gralliturgie wiedergibt. Und wenn Staerk endlich —allerdings mit zagender Vorsicht — den als Fischerkönig be-zeichneten kranken Herrn der Gralburg ableiten will aus dembabylonischen Adapa, der Fischfang auf dem Meere (!) treibt,wenn er das Motiv des durch die unterlassene Frage verscherztenHeils in der Gralsage anknüpft an den gleichen Adapa, dervon Ea gewarnt die Gaben der Götter abweist, die Speise desLebens und das Wasser des Lebens nicht trinkt, so sind dasParallelen, die lehrreich sein können für das völkerpsychologischeProblem, mit welchen psychologischen Hebeln die mensch-liche Phantasie die Handlungen in ihren Sagenmotiven inBewegung setze. Für die religionsgeschichtliche Fragenach der irdisch-konkreten Daseinswirklichkeit und Daseins-umformung eines Sagenindividuums in seinem kontinuier-lichen Wachstum vermag ich daraus, unmittelbar wenigstens,nichts zu entnehmen.
Mögen diese prinzipiellen Vorbehalte, die eigentlich dieMehrzahl der neuesten religionswissenschaftlichen Arbeitentreffen, dem Verfasser nicht als schulmeisterliche Nörgeleierscheinen, sie sind vielmehr die natürliche Folge meines leb-haften und freudigen Interesses an seiner frischen, auf ein hohesZiel mit weit umschauendem Blick zusteuernden Untersuchung.