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Literatur und Kunst des Mittelalters
breiten Masse, die Elemente vereint vorliegen, die in der Gral-vorstellung von Bedeutung sind: die Eucharistie als leiblicheund geistige Wunderspeise und die Seligkeit des Paradiesesmit und durch den eucharistischen Genuß." „Er (der Gral)ist der Vorschmack des Paradieses, wie es sich der christlicheGlaube des ausgehenden Altertums und des Mittelalters unterallen Völkern ausgemalt hat" (S. 36).
Die Gralsage hat in ihrem Ursprung und in ihrem Kerndie nächsten Beziehungen zu den realistisch, paganischgefaßten Vorstellungen vom Sakrament des eucharistischenMahls: das ist der wesentliche Inhalt dieser Sätze, dem ichfreudig zustimme. Er deckt sich mit meiner eigenen Auffassung,die sich mir, je länger und je eindringender ich mich mit dieserFrage beschäftigt habe, desto deutlicher und sicherer als diemethodisch allein zulässige eingeprägt hat. Wegweisend undlichtbringend waren mir dabei Harnacks Darlegungen in seinerpreiswürdigen Dogmengeschichte (2. Aufl. Bd. 1, S. 436):„Für die populäre Anschauung gelten die kombinierten Ele-mente (des Abendmahls) als himmlische Fragmente vonzauberischer Wirkung, mit denen der christliche Haufeim 3. Jahrhundert bereits viele abergläubische Vorstellungenverband, die die Priester gewähren ließen resp. teilten"; (ebda.S. 435): „In der Praxis nahm man in steigendem Maße einereale Mitteilung des Himmlischen in der heiligen Speise anund gab sich superstitiösen Anschauungen hin ... So wurdedie heilige Speise als Mitteilung der Unverweslichkeit, alsUnterpfand der Auferstehung . . . gefeiert. Der Gedanke derSündenvergebung trat ganz zurück."
Ein umfassendes Werk über die Entstehung der Gralsage,das ich selbst seit längerer Zeit vorbereite und über dessenErgebnis ich im Frühling des Jahres 1902 . . . eine vor-läufige Notiz (s. oben S. 159f.) veröffentlicht habe, die begreif-licherweise dem Verfasser der vorliegenden Arbeit entgangenist, ruht ganz und gar auf der gleichen Voraussetzung (vgl.auch DLZ. 1903, Sp. 2821—24, oben S. 161 ff.).
Weniger einig weiß ich mich mit dem Verfasser in derstarken, ja fast ausschließlichen Heranziehung der Legenden-tradition. Die Legende des Joseph von Arimathia, dieer, wie so viele vor ihm, zum Ausgangspunkt nimmt, zeigtin ihrer ältesten Gestalt, die uns in den Gesta Pilati vorliegt,