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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

Schon die Erzählung Jon. 19, 34 von dem Blut und Wasserdas der durch die Lanze geöffneten Seite Christi entströmt,ist typologisch (mit Beziehung auf die Vorschrift über dieTechnik des Passah-Opfers, Exodus 12, 46) und mystisch ge-meint: Blut und Wasser sind hier wie 1. Joh. 5, 6. 8. 1, 7;Apokal. 7, 14 Symbole des Opfers und der Sühne einerseits,des neuen Lebens, der Wiedergeburt, der paradiesischenLauterkeit und Herrlichkeit anderseits. In dem zeitlich undörtlich nah stehenden Physiologus (Kap. 48, LauchertS. 277) wird Arnos 7, 14 mystisch auf Christi Auferstehunggedeutet mit Parallelisierung des Speerstichs und des Ritzensder Sykomore: Blut und Wasser entquellen Christus wie derSaft einer nahezu reifen Sykomore; diese wird nach dem Messer-schnitt in drei Tagen eßbar, der Gekreuzigte nach dem Speer-stich in drei Tagen lebendig, ein Auferstandener und Un-sterblicher. Den Johanneischen Bericht vom Lanzenstichparodierte zwischen 177 und 180 der Platoniker Kelsos mitdem Homerischen Göttersaft Ichor, der aus dem Körper dervom Speer des Diomedes verwundeten Aphrodite floß, währenddes Origenes Apologie demgegenüber das Blutwasser al&Wunder der Göttlichkeit, der Unsterblichkeit und Apolli-naris von Hierapolis es als Symbol der kathartischenElemente der Kirche, des Logos und des Pneuma ansah.

Tertullian lehrte dann das Abendland das Dogma, da-runter ein Abbild der doppelten Taufe, der mit Wasserund der mit Blut (Martyrium), zu verstehen und anderseitsin der Seitenwunde des zweiten Adam (Christi) die Öffnungder Rippe des Stammvaters, welche die wahre Mutterder Lebenden, die Kirche (die zweite Eva), an das Lichtgeführt habe.

Aber weder bei Cyprian, noch bei Augustin, noch beiLeo dem Großen, noch überhaupt in der älteren, vorkaro-lingischen Dogmatik des Abendlands findet sich eine unmittel-bare Verknüpfung des Speerstichs und des Abendmahls. Ebenso-wenig in der ältesten römischen Liturgie, im Sacramen-tarium Gelasianum.

Zuerst mit der sakramentalen Handlung des Abendmahlskultisch verbunden erscheint das Lanzenwunder in der gnos-tischen Schrift 'Pistis Sophia' aus dem 3. Jahrhundert.Hier gehörte es zur eigentlichen theurgischen Aktion des in