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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

Ruodlieb auf Kosten der Spielleute verherrlicht! Sollten ihmwirklich auch die Märchen- und Novellenmotive, aus denen erseinen Roman aufbaut, Spielleute übermittelt haben? Undwenn schon, waren es deutsche Spielleute oder nicht vielmehrfranzösische, deren Zusammenhang mit den Kreisen der deut-schen Fahrenden wir schon bemerkten (oben S. 143f.)? Lägeetwa in jenem Freundschaftsbund zwischen dem deutschenKaiser und dem König von Frankreich, den der Roman sonachdrucksvoll schildert, auch eine unbewußte symbolischeBedeutung, insofern dieses Gedicht selbst, ohne daß der Dichteres ahnte, der Ausdruck einer neuen Verbindung romanischerund deutscher volkstümlicher Epik war? Jener Verbindung,die zuerst Gervinus mit sicherem Stilgefühl beobachtet undfür die literarhistorische Würdigung der mittelhochdeutschenhöfischen und volksmäßigen Epik fruchtbar gemacht hat.Später fand diese französische Einwirkung Rudolf Henningbestätigt in der Ausbildung der mittelhochdeutschen Nibe-lungenpoesie, und neu estens entdeckte Franz Saran im Ecken-liede, also gerade in jenem Spielmannsgedicht, das den nationalenStoff der deutschen Heldensage mit Märchenmotiven durch-setzt wie der Ruodlieb und das überdies den Namen Ruodliebenthält, zweifellose Verwandtschaft mit französischer Roman-dichtung.

Ein Hofmann war dieser Tegernseer Mönch. Hoflufthat sein großes Talent entfaltet. Höfisch ist seine Bildungund sein Gesichtskreis. Am Hofe eines Großen muß er eineStellung besessen haben, vielleicht in der königlichen Kanzlei.Und diese Hofbeziehungen haben ihm offenbar außer franzö-sischen auch byzantinische, vielleicht auch spanisch-arabischeKulturelemente nahe gebracht. Das emaillierte Prunkstück,die ganz neuen byzantinischen Kaisermünzen, die byzantinischeTracht, die sich durch Kostbarkeit der Stoffe und durch größereLänge des Übergewandes und des Mantels auszeichnet, dasSchachspiel, das für Deutschland durch den Ruodlieb zuerstbezeugt ist, all das stammt sicher von dort. Wir besitzenunter den Kaisermünzen Heinrichs II. Nachprägungen einerGoldmünze der byzantinischen Kaiser Theophilos Michael III.und Constantius VIII. (829842), ferner eines arabischenOriginal-Dirhems des Chalifen Heschäm (f 1009) von Cordoba,endlich auch einer antiken Kaisermünze aus der Zeit des Gallienus