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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

II

Stratos und namentlich der beiden Philostratos ehöveg, andes Kallistratos excpQdoeig, an die Gemälde-Beschreibungenbei Lukian, Polemon, Apuleius, Heliodor zu erinnern (vgl.oben S. 55 ff.).

In der lockeren auseinanderfallenden Komposition desGanzen, in der Fülle der durcheinander gereihten Episoden,in dem Grundmotiv, das ein Reiseabenteuer, Trennung undWiedervereinigung ist, in der idealisierenden Charakteristikder Hauptpersonen, in der Technik der epischen Erzählung,in welcher Reden, Botenberichte, die wörtlich wiederholtwerden, besonders auch der Brief der Mutter, der zur Heim-kehr ladet, entscheidende Hebel bilden, finden wir uns an dieKunst des Apuleius, an die Weise des griechischen Romans vonApollonius von Tyrus (oben S. 135) erinnert. Und jene geflissent-liche phantastische Aufzählung unglaublicher exotischer Tiere,Pflanzen und Edelsteine, was ist sie anders als ein Wieder-aufleben der indischen Fabeleien der griechischen Alexander-historiker, der antiken Reiseromane, der ethnographischenFabeleien von Plinius und Solinus, der Phantasien endlichdes griechischen Alexanderromans?

Woher kam dem Dichter nun dieses alles?

Die Schule hat ihm unzweifelhaft einen guten Teil seinerTechnik und seines Stils vermittelt. In Tegernsee blühte zuseiner Zeit die lateinische Dichtung: antike Bildung gediehhier. Froumund schrieb des Boethius Buch vom 'Trost derPhilosophie' ab und kommentierte es, der Abt Ellinger vonTegernsee (10171041), unter dessen Regiment der Ruodliebentstand, ließ eine Handschrift der 'Historia naturalis' des Pliniusmit Illustrationen der Tiere schmücken. Die Gattung despoetischen und prosaisch-lateinischen Briefes pflegten Frou-mund und Ellinger in ausgezeichneter Weise. Wir kennen dieglossographischen Sammlungen Froumunds und anderer Tegern-seer zu rhetorischem Zwecke. Sie kopierten alte lateinischeBeschreibungen eines römischen Kaiserpalastes. Man kannteund exzerpierte dort den Roman 'Apollonius von Tyrus': Ausdem rhetorischen Unterricht ist unzweifelhaft manchesvon dem geflossen, was an die Manier des sophistischen Romansder Kaiserzeit anklingt (vgl. oben S. 54).

Schulmäßige Kenntnisse kramt Ruodlieb zum Beispielbei der Beschreibung der Fischarten, der Abrichtung der