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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
Seite
151
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Die Entstehung des mittelalterlichen Romans 151

Waffen ablegen und auf Nägel an der Wand hängen, vor derMahlzeit Toilette machen, sich baden und rasieren; nach derMahlzeit noch einmal die Kleider wechseln und dann in Ge-sellschaftsgewändern erscheinen, daß die Erdbeeren, die es zumNachtisch gibt, weil die Äpfel noch nicht reif sind, Kinderim Walde gelesen und in Töpfen oder auch nur in Haselrindeüberbracht haben, daß man Abends vor dem Schlafengehendie Schuhe sich auszieht. Wir erfahren, ob die Damen die An-kömmlinge im Söller oder in den Fensternischen begrüßen,ob die Tische im Saal oder im Freien gedeckt werden. Diefür die Königszusammenkunft erbaute Räumlichkeit wirdkompliziert, wenn auch uns nicht recht verständlich abgebildet:wir hören von Lauben, Gittern, Zelt und Kapelle. Das Saiten-spiel und der Tanz wird mit Kennerschaft vergegenwärtigt:Ruodlicb spielt mit beiden Händen, er hält so scharf und sicherden Takt, daß auch ein im Tanzen Ungeübter danach sichrichten kann. Getanzt wird unter Bewegungen der Händeund Füße. Der Neffe Ruodliebs und die Tochter tanzen zu-letzt einen Tanz allein: sie kommen zusammen und schwebendann aneinander vorüber. Zum Schluß lassen sie die Händesinken.

Wenn ein Bote abreitet, führt der Knappe erst das Pferdaus dem Stall und gibt dem Reiter die Gerte in die Hand.Wenn zwei Reisende Morgens aufbrechen, vernehmen wir,daß sie erwachen, daß sie sich erheben, das Frühstück nehmen,die Pferde zäumen und davonreiten. Man glaubt, HomerischeErzählungstechnik vor Augen zu haben.

In der eingelegten Novelle vom jungen Knecht, der dieWitwe des alten Bauers freit, wird die Tüchtigkeit und Dienst-willigkeit mit vielen Einzelheiten veranschaulicht: nach derMahlzeit des Bauernpaars, während der er demütig beiseitegestanden hat, räumt er ab, säubert den Tisch, stellt das Ge-schirr gereinigt in den Schrank; dann deckt er, als es wiederZeit zum Essen wird, den Tisch, indem er Teller* Messer, Löffelund Salzbehälter aufstellt.

Geradezu komisch wird dieser Realismus, wenn der Dichterdas Hofgesinde Ruodliebs, nachdem es dem scheidenden Herrnunter heftigem Weinen das Geleit gegeben und nachgeschauthat, sich erst die Augen waschen läßt, bevor es die Mutteraufsucht, um sie zu trösten.