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Literatur und Kunst des Mittelalters
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aber die Reue ergreift sie, nachdem ungeahnte Folgen aus demEhebruch hervorgehen. Da klagt sie sich verzweiflungsvolldes schwersten Verbrechens an und begehrt den Tod oder dochhärteste Verstümmelung.
Trotz mancher Züge von Roheit namentlich in der Art,wie erotische Dinge besprochen werden, predigt das Gedichteine zartfühlende Rücksicht der Menschen gegen einander.Obenan steht der große König: ein Idealbild weiser selbstloserGerechtigkeit. In der Gerichtsversammlung werden die Plün-derer begnadigt, weil man die milde Gesinnung des Königsrespektieren will. Die Gefangenen behandelt er aufs schonendste:sie bekommen bei Rischöfen, Herzögen, vornehmen HerrenWohnung; den Anstifter des Überfalls nimmt der König garselbst zu sich und läßt ihn an ausgezeichneter Stelle im Hof-dienst zu als seinen Schwertträger. Reim Friedensschlußverzichtet er auf alle Geschenke, die der besiegte kleine Königgeschickt hat und fordert auch seine Großen auf, das gleichezu tun. Als Ruodlieb dann von der Mutter gedrängt wirdheimzukehren, mahnt der König ihn selbst, alles persönlicheInteresse zurücksetzend, ihrem Wunsch zu folgen und beimAbschied dann erweist er sich durch Wort und Tat als gleichedler Herrscher. Sehr wirkungsvoll wird er vor seinem Auf-treten durch seinerar Jäger dem ankommenden Ruodlieb unddann in seiner Abwesenheit bei der Gerichtsversammlungnach der Schlacht geschildert. Er ist freigebig und freundlichzu allen seinen Leuten. Rei Tisch scherzt er mit den Hof-beamten und übergeht die Grafen. Die besseren Speisen sendeter dem Hofgesinde.
Auch der kleine König erscheint hochherzig und zart-fühlend: von Ruodlieb, der als Gesandter bei ihm weilt, imSchachspiel besiegt zu werden, erträgt er gern. Der Typusdes romanhaften idealen Königs, wie ihn die Karlssage, nachherdie Artussage ausgebildet haben, wie ihn alle Spielmanns-gedichte mehr oder weniger voraussetzen, erscheint hier schonvoll entwickelt.
Die Humanität der handelnden Personen drängt sich auchsonst auf: Ruodlieb erhält bei dem reichen Rauer erleseneRissen, aber er gibt die besten Stücke dem Hausherrn, und dieserzerschneidet sie wiederum und verteilt sie an sein Gesinde.Als Ruodlieb auf seiner Gesandtschaft drei Schachpartien