Druckschrift 
1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
Seite
145
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Die Entstehung des mittelalterlichen Romans 145

von Luxus und Festesfreude stellt, wie sie später der höfisch-ritterliche Roman Frankreichs, Englands und Deutschlandsso unermüdlich abmalte.

Der poetische Kern des Romans ist ein Märchen, welchesaus einer Rahmenerzählung eine Reihe Novellen herausspinnt.Ein junger Mann ist in fremde Dienste getreten. Als er darausscheidet, bekommt er, der auf Geld verzichtet, als Lohn Weis-heitslehren, und außerdem ein Rrot, das er erst zu Hause an-schneiden soll, worin Goldmünzen verborgen sind. Auf demWeg zur Heimat bewähren sich in einzelnen Abenteuern dieempfangenen Weisheitslehren.

Die Rahmenerzählung ist in das Zeitkostüm gesteckt:ein Ministerial ist der Held.

Eine Reihe von Motiven sind aus dem Repertoire der natio-nalen Heldensage entlehnt: der erste Auszug und Ab-schied Ruodliebs, der Kriegszug, die Siegesbotschaft in dieHeimat, die Friedensgesandtschaft, die Rotenbegrüßung beider Heimkehr zur Mutter, der Familienrat bei Ruodliebs Ver-heiratung, und in der letzten überhaupt abweichenden Partie,in der man ein älteres Spielmannsgedicht hat durchschimmernsehen wollen, der Traum der Mutter von den Ebern und Wild-sauen, die den Sohn bedrohen, der weissagende Zwerg, der Schatzder beiden Könige Immunch und Hartunch, die schöne Königs-tochter Heriburg, die Ruodlieb gewinnen soll. Der NameMuodlieb kehrt wieder im Eckenliede des 13. Jahrhunderts(Strophe 82, 6), für einen König, dem unter märchenhaftenUmständen ein gestohlenes Schwert gebracht wird.

Märchenhaft sind die zwölf Lehren des Königs, diedas Programm der späteren Handlung geben, von denen indesnur drei zur Anwendung kommen: 'Trau keinem Rothaar','Biege nicht von der sichern Straße ab, auch wenn sie schmutzigist', 'Nimm nicht Quartier bei altem Mann, der ein jungesWeib hat'.

Zu Ruodlieb gesellt sich bei seiner Heimfahrt der Rote,den Ruodlieb trotz der Warnung nicht von sich weist. Baldwird er zu seinem Schaden inne, wie unrecht er tat, die Lehrezu vergessen: der Rote stiehlt ihm den Mantel. Ruodliebignoriert aber auch dies und zieht mit dem üblen Gefährtenweiter. Dieser wird bald danach, weil er vom Wege abweichenddurch Saaten reitet, von Bauern durchgeprügelt. Nachts

Burdach, Vorspiel.

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