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Literatur und Kunst des Mittelalters
diese Leute in Deutschland wie in Frankreich und England.Der im Zeitalter der Ottonen wachsende Verkehr zwischendeutscher, romanischer und byzantinischer, ja arabischerKultur beförderte auch den internationalen Austausch imKreise der Überlieferung jener fahrenden Poesie, die ihre Stoffeim eigentlichen Sinn des Wortes am Wege suchte und fand.Auf den großen Kulturstraßen, die von Frankreich und Deutsch-land nach Italien führten, flogen diesen Jokulatoren ungezählteMotive jener uralten und immer neu wachsenden Novellen-,Schwank-, Fabel- und Märchendichtung zu, die seit den TagenHerodots eine geistige Brücke zwischen Orient und Okzidentschlug.
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X.
Aus einem Märchenmotiv und zusammengefügten Novellenheraus, aus der Kunst spielmännischer Dichtung ist auchder erste frei erfundene mittelalterliche Roman geboren: der'R uodlieb', den ein unbekannter Mönch des Klosters Tegernseeum 1030 in lateinischer Sprache gedichtet hat. Sein Werk istuns leider nur in Bruchstücken auf einzelnen Pergament-blättern erhalten. Nachdem diese in der Frühzeit der deutschenPhilologie der unvergeßliche Andreas Schmeller veröffentlichthatte, ist der Zusammenhang und die Komposition der Dichtung,ihr hoher geschichtlicher und künstlerischer Wert erst in denletzten Jahrzehnten erkannt und gewürdigt worden, haupt-sächlich durch Scherer, Seiler und Laistner, Kögel und Kelle.Auf den Ergebnissen dieser Forschungen baut die nachstehendeBetrachtung weiter.
Im Jahre 1023 hatte an der Maas, dem Grenzfluß Frank-reichs und Deutschlands, eine Zusammenkunft zwischenKaiser Heinrich IL und König Robert stattgefunden. Jederwar von einem glänzenden Gefolge begleitet. Obwohl vielemeinten, es zieme sich nicht, daß einer der Fürsten in das Gebietdes andern hinübergehe, und man solle deshalb auf einem Schiffemitten im Flusse zusammenkommen, fährt der Kaiser, ais dermächtigere, zum König hinüber. Eine feierliche Verbrüderungwird durch Messe, Festmahl, beiderseitige Geschenke bekräftigt.
Dieses Ereignis bildet frei behandelt und ausgeschmücktden historischen Kern des Romans. Also ein Vorgang derGegenwart, der vor die Phantasie Bilder weltlicher Pracht,