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Literatur und Kunst des Mittelalters
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abgebissen hatte, überwältigte er sie trotz ihrem Widerstandund Geschrei. Der Weheruf der Sterbenden führt die HerrinAlfräd herbei; diese alarmiert alle Schwestern, und nun rückensie wie eine geschlossene Armee heran, den Feind zu strecken.Doch dieser ist längst, nachdem er seine Beute verschlungen,wieder in die Wälder geflohen. Es wird auch hier eine bestimmtepersönliche Satire verborgen sein, die noch nicht erraten ist.Das Gedicht 'Von Lantfrid und Cobbo' gestaltet die Welt-novelle der zwei großmütigen Freunde, die in Deutschlandund Frankreich durch die Geschichten von Athis und Prophilias,Titus und Gisippus, Aleander und Septimus, Amicus undAmelius, Engelhard und Dietrich, Ludwig und Alexander,Olivier und Artus verbreitet ist und seit der zweiten Hälftedes 12. Jahrhunderts in Frankreich wie in Deutschland alsEpos behandelt wurde.
Bitterer spottet in Frankreich der lateinische Schwankvom alten Priester, der einen Wolf in einer Grube gefangenhat und, als er ihm mit einem Stock die Augen ausschlagen will,von ihm hineingezogen wird. Nun fürchten sich beide:der Priester vor dem Wolf, dieser, daß er nicht hinauskomme.In seiner Angst murmelt der Alte Gebete, die sieben Buß-psalmen, und immer wieder ruft er Miserere mei deus. Für dieToten und für die Lebenden den ganzen Psalter und das Pater-noster singt er. Bei sed libera nos a malo springt ihm der Wolfauf den Bücken, der Priester duckt sich und dient so dem Wolfals Brücke zu entfliehen. Glückselig stimmt der nun selbstGefangene Laudate dominum an und wird von den Nachbarnherausgezogen.
Frankreich hat den Ruhm, in dieser Zeit, zu Anfang des11. Jahrhunderts die glänzendsten Schwanke hervorgebrachtzu haben: die köstliche Erzählung vom armen Bauer 'Einochs',der es immer nur bis zu einem Ochsen bringen konnte und alser den verkauft hat, durch unerhörte Glücksfälle und lustigstePrellerei seiner dummen Nachbarn zu Reichtum kommt, sichmit unerschöpflicher Lust aus allen Schlingen zieht und dieGefoppten, die ihm aus Wut nach dem Leben trachten, zuMördern und schließlich Selbstmördern macht.
Hier lebt der ganze Übermut gallischer Fabulierkunst,die scharfe unerbittliche Folgerichtigkeit, mit der eine komischeVoraussetzung ausgenutzt und in alle Konsequenzen verfolgt