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Literatur und Kunst des Mittelalters
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sucht etwas über ein Menschenalter später auch das schon er-wähnte Gedichteines Klostergenossen :EkkehardsI.'Wal thariusmanufortis'. Ein Epos im Stil Vergils, in lateinischen Hexa-metern. Sein Stoff war einst in Stabreimen von den altger-manischen Sängern gesungen worden und auf die altenglischenBruchstücke einer solchen alliterierenden Dichtung über Waltherund Hildegunde wies ich schon oben hin. Nicht naives Interessean der alten Sage bewog Ekkehard I. zu seinem Poem, verschaffteihm Anerkennung und Verbreitung, bestimmte Ekkehard IV.es zu revidieren. Es war ein halb historisches, halb ethno-graphisches Interesse. Die Sitte fremder, namentlich kriege-rischer Völker hat zu allen Zeiten die Neugier und die Phantasieder Menschen heftig erregt: von der Odyssee bis zu den grie-chischen Historikern, die über die Völker des Ostens fabel-hafte Nachrichten verbreiteten, von den antiken Reiseromanender Kaiserzeit bis zu den Legenden der bei wilden Barbarenwirkenden Apostel und Märtyrer haben wir das hier schonverfolgen können. Den altenglischen Bearbeiter der Exodustrieb es, seine Zusätze vom Mohrenvolk zu machen. In derWalthersage erscheinen die Hunnen, dies rätselhafte Volk,das, wie ein plötzliches Erdbeben, die Welt aufrührte. Die Er-innerung an sie war nicht erloschen. Die Einfälle der Magyaren,die das Mittelalter allgemein ihnen gleichsetzte, hatte aberdie alte Angst furchtbar erneut. Bis nach St. Gallen warendie Horden der Ungarn am 1. Mai 926 gedrungen und hattendort im Klosterhof ihr Lager aufgeschlagen. Ekkehard hatdas als junger Mann mit eigenen Augen gesehen: der Eindruckwar so mächtig, daß er ihm jene Sage, in der die Hunnen einemächtige Rolle spielen, ganz nahe rücken mußte. Auch inItalien erregte seine Dichtung aus gleichem Grunde Interesse:in Novalese benutzte eine anonyme Klosterchronik den erstenTeil des 'Waltharius', der im wesentlichen die alten geschicht-lichen Erinnerungen wiederspiegelt, und verband damit einelokale Legende, von einem vornehmen Krieger Namens Walther,der in jenes Kloster eingetreten ist.
Die literarische Neubelebung der alten Walthersage bringt zu-gleich ihre Historisierung und bedeutet nichts anderes als denVersuch, die Geschichte durch Sagen nach rückwärts zu ergänzen.
Es mögen wohl auch andere literarisch gebildete Dichterdem Verfahren Ekkehards gefolgt sein. Eine höchst unglaub-