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Literatur und Kunst des Mittelalters
Gleichzeitig mit dem italienischen Mönch erzählte eingeistlicher Historiker in den Niederlanden den Krieg Karlsgegen die Sarazenen in Spanien völlig märchenhaft und be-reitete dadurch die Chronik des Pseudo-Turpin vor, in der dieHeldensage von Roland und Karl zur asketischen Wallfahrts-legende umgeformt war.
Es geschah das unter dem Einfluß eines antiken Romans:des Alexanderromans.
Um die Mitte des 10. Jahrhunderts gelangte aus Konstan-tinopel nach Italien der in Alexandrien entstandene griechischeRoman des Pseudo-Kallisthenes über Alexander den Großen,dessen Kern noch in die Ptolemäerzeit zurückreicht, der aberim 3. Jahrhundert seine schließlich fortlebende Gestalt erhielt.Der Archipresbyter Leo hatte bei einer Gesandtschaftsreiseim Auftrage des Herzogs von Campanien in Byzanz eine Hand-schrift des Werks gefunden und machte sich einige Jahrenachher auf Befehl seines Herrn daran, das griechische Originallateinisch zu bearbeiten.
Schon im 4. Jahrhundert war eine lateinische Übersetzungvon Julius Valerius verfaßt, und im 7. Jahrhundert hatte dieSage von Alexander dann in der angeblich von Hieronymusverfaßten lateinischen Übersetzung eines fabelreichen kosmo-graphischen Buchs des istrischen Philosophen Ethicus, unterwelcher Maske ein französischer Autor seine ungeheuerlichenSchwindeleien als angeblicher Augenzeuge auftischte, üppigeSchößlinge getrieben. Im 9. Jahrhundert hatte in Italien einrhythmischer Abcdarius die Gestalt Alexanders völlig sagen-haft als Sohn eines Philisters und einer Bethanierin behandelt:als kühner Entdecker und Reisender durchzieht er die ganzeWelt, Länder und Meere, kommt nach dem Lande der Finsternis,wo die Edelsteine herstammen, fängt in der Wüste ein wunder-bares Tier, halb Pferd halb Stier (den Bucephalus), machteine Luftfahrt mit den Greifen und gelobt dann, wenn er ge-rettet würde, eine Stadt zu gründen. Das geschieht, und soentsteht die italienische Stadt Alessandria.
Allein erst durch die Übersetzung des Archipresbyter Leo,durch die sogenannte 'Geschichte von den Schlachten', wurde derAlexanderroman wirklich Besitz der mittelalterlichen Literatur.
Selbständige Verbreitung fanden aber neben dem Romanzwei Briefe Alexanders an seinen Lehrer Aristoteles,