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Literatur und Kunst des Mittelalters
einem Bischof den Wein, verwandelt sich einem Bischof zumPossen in ein Maultier. Die politische Geschichte kann dieserMann nicht anders als mit pointierter Hervorkehrung desPersönlichen behandeln: auch die großen Staatsereignissewandeln sich ihm in Affairen des häuslichen Lebens. Die Kriegs-geschichte erfüllt er mit Sagen. Nicht bloß die Darstellungder Hunnenkriege, sondern auch die des Zeitalters Karls.Und hier berührt er sich mit Darstellungen, die wir aus denspäteren altfranzösischen Chansons de geste kennen. Er iden-tifiziert gleich diesen Karl und Karl Martell, Normannen undSarazenen, erzählt voller Behagen eine Geschichte von Pippinsdes Kurzen groteskem Kampf mit dem Löwen und wie er imBade nur mit Hemd und Schuhen bekleidet durch sein Schwerteinen bösen Geist verscheucht habe, bringt Züge, die späterin der Sage von Wilhelm von Orange erscheinen, erwähntbei seiner Erzählung des Langobardenkriegs den FlüchtlingOtker (Ogier), den späteren Haupthelden französischer Lieder.Unzweifelhaft schöpft er hier und anderwärts aus mündlicherÜberlieferung, schwerlich aber aus 'Erzählungen des Volks',vielmehr aus den Liedern der Spielleute, wenn auch die vonihm mit Namen genannten Gewährsmänner die Vermittlergewesen sein mögen. Die vermutlich durch das Mediumlateinischer Lieder erlangten Beziehungen zur Dichtungfranzösischer Jongleurs erläutert eine andere Tatsache.Notker Balbulus hat zuerst in Deutschland für die musikalischenSequenzen des Graduale der Messe, d. h. für die auf der Schluß-silbe des Halleluja lang ausgehaltenen Kadenzen Texte ge-dichtet, und er nahm dabei als Vorbild ein französisches Anti-phonar, das ein Presbyter des Klosters Jumieges nach St. Gallenmitgebracht hatte und in welchem bereits den Melodien Verseunterlegt waren. Als eine griechische Gesandtschaft am kaiser-lichen Hofe zum Sonntag nach Epiphanias ihre Antiphonensang, ergötzte sich der Kaiser an dem Wohllaut dieser Ge-sänge und ließ durch einen des Griechischen mächtigen Kaplandie Texte in derselben Melodie lateinisch wiedergeben und zwarso, daß jedem Ton eine Silbe entsprechen sollte: das meldetNotker, der Musikkundige, mit Freude. Aber wenn er auchgern griechische Kultur sich aneignet, so teilt er doch ganzden imperialistischen Stolz, der den Herrscher von Byzanznicht als Kaiser, sondern nur als König anerkennt, und mit