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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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131
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Die Entstehung des mittelalterlichen Romans 131

gebraus das Gewölbe des Domes, es steigen übergössen vonLicht drei weißgekleidete Heilige aus der Höhe herab, schreitenzu den drei Altären der Jungfrau Maria, des Petrus und desPaulus und verrichten vor ihnen ihr Gebet; es ist der geradein dieser Stunde unter den Friesen den Märtyrertod erleidendeheilige Bonifazius mit seinen beiden Gefährten. Gleichzeitig aberübernimmt er mit der ausführlichen Beschreibung der Bilderder Mainzer Albanskirche und der noch reicheren der Gemäldein der Kaiserpfalz zu Ingelheim ein altes Bequisit antikerEpik (s. oben S. 55 f., 82 f., 109).

Ungefähr hundert Jahre später greift Ekkehard I.von St. Gallen einen uralten nationalen Sagenstoff auf, aberer weiß ihn dem gelehrten Zeitalter nicht besser literarischerträglich zu machen, als indem er den alten epischen Stilgegen den des Sängers der Äneide eintauscht. Kein weit-ausschauender Ehrgeiz hat ihn dabei getrieben: das Poementstand als einfache Schulaufgabe, als ein von dem Vorsteherder St. Galler Klosterschule bestelltes dictamen, das dannnur größere Anerkennung und Verbreitung fand, als voraus-zusehen war, so daß man es dem Straßburger Bischof Erchan-bald zu dedizieren wagen konnte.

Die neue Wendung bezeugen auf dem Gebiet der Ge-schichtsschreibung und der historischen Dichtung, aber auchder Legende Notker Balbulus in St. Gallen und Hrotsvithvon Gandersheim.

NotkersBalbulus,des 'Mönches von St. Gallen', anonymesBuch über Karl den Großen, gleich nach 883 auf einen per-sönlichen zufälligen Wunsch Kaiser Karls III. des Dicken,des Urenkels Karls des Großen, entstanden, gibt in sprung-hafter lockerster Komposition von Episode zu Episode schweifendeine Geschichte Karls des Großen mit liebenswürdiger Drastikund Behaglichkeit. Wir sehen, wie der große Kaiser sich umSchulwesen und Bauten kümmert, wir hören, wie er sich kleidet,wie er von den Bauleuten betrogen wird, nachher aber GottesStrafgericht die Betrüger ereilt; wir erfahren Anekdoten ausLudwigs des Deutschen Kinder jähren, von den heidnischenNormannen, die sich um der Patengeschenke willen taufenlassen, dann aber auch gleich öfter und bis zu zwanzig Malen.Teufelsgeschichten von naiver Komik mit Spitzen gegen diehohe Weltgeistlichkeit laufen mit unter. Der Teufel stiehlt

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