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Literatur und Kunst des Mittelalters
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entsprechenden Produkte. Da blieb zwischen lateinischerDichtung und deutscher, zwischen gelehrter und nationalerEpik noch eine größere Kluft. Jene rhythmischen lateinischenhistorischen Volkslieder der romanischen Länder aber gabendie Brücke her, auf welcher sich eine Annäherung der beidenepischen Sphären vollzog.
In England streut die nationale Historiographie in ihreProsa englische geschichtliche Lieder ein, in Deutschland be-nutzen die lateinisch schreibenden Historiker historischeSpielmannslieder.
Schon 826/827 dichtete der aquitanische Mönch ErmoldusNigellus, der Günstling und Kanzler Pippins, des Sohns Lud-wigs des Frommen, ein episches Gedicht über die Taten jenesLudwig in lateinischen Distichen, führte darin zum erstenmaldas Motiv des Kampfes gegen die Sarazenen, der Kriege Karlsdes Großen und seines Sohns in die mittelalterliche Literaturein und schöpfte dabei aus gesungenen Liedern. Als Heldenfeiert er unter anderen den 'Herzog Wilhelm von Toulouse',d. h. jenen Enkel Karl Martells und Grafensohn Wilhelm, Herzogvon Aquitanien, der als Sarazenenbesieger und Eroberer Barce-lonas berühmt, Mittelpunkt eines Zyklus der französischenHeldensage wurde. Als Muster des Stils schwebt ihm Ovid,daneben Vergil vor. In der äußeren Form weniger nationalals Otfried, übertrifft er ihn doch weit an populärer Darstellung.Er besingt Vorgänge, die er zum größten Teil selbst als Augen-zeuge erlebt hat, Ereignisse der Gegenwart oder nächstenVergangenheit, die er dann im Sinn volkstümlicher Liederpoetisierte. Der Schluß seines Lobgedichts zeigt dies deutlich.Im Jahr 826 hatte ein Priester Georg aus Venedig für Ludwigeine hydraulische Orgel gebaut. Das preist Ermoldus als.Triumph des deutschen Kaisertums: nun ist willig zu uns-gekommen, was bisher Italien als seinen Besitz voller Stolzrühmte und wodurch Konstantinopel allein dem deutschenKaiser den Vorrang bestritt; da jetzt, was nicht die mächtigeRoma besaß, die Aachener Pfalz schmückt, wird auch Byzanzseinen Nacken den Franken beugen. Darauf folgt eine doppelteVision des heiligen Theutammus in der Straßburger Marien-kirche: rechts erscheint ihm in einem Lichtmeer ein seligerGeist, gestaltet wie ein wunderbarer Vogel, offenbar als Phönixgedacht; später in einer andern Nacht öffnet sich unter Glocken-