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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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Die Entstehung des mittelalterlichen Romans 129

der alten Pflanzstätte literarischer Bildung, erzogen, selbstein Gelehrter, der an Disputationen Gefallen fand. Der dritteOtto, das Kind der griechischen Prinzessin Theophano, empfinggeradezu eine byzantinisch-romanische Bildung. Die poli-tischen Tendenzen dieses unglücklichen Monarchen sind be-kannt: der Traum einer "Wiederherstellung des Imperiumsim vollen antiken Sinn erfüllte sich nicht, aber die Idee, welcheihm zugrunde lag, leuchtete über der Kultur des Zeitaltersbewegend, weckend, befruchtend.

Unterricht (in den Kloster- und Domschulen), Wissen-schaft, insbesondere die Mathematik, bildende Kunst nehmeneinen neuen Anlauf. Aber die Gelehrsamkeit und der Stildieses Zeitalters ist ein anderer als im karolingischen. DieAusbildung des mittelalterlichen Systems der sieben freienKünste vollendet sich und beginnt die Geister zu beherrschen.

Die Geschichtschreibung ändert ihren Charakter.Beschränkte sie sich in der früheren karolingischen Periodeunter den Händen eines Einhard, Walahfried Strabo imStoff nahezu ganz auf die streng historische Darstellung,so schöpft sie jetzt vielfach, zunehmend, mit sichtlicher Vor-liebe aus der mündlichen Überlieferung, aus den Liedern derSpielleute: z. B. Notker, Widukind, Thietmar v. Merseburg.Hatte Einhard nach dem Muster Suetons stilisiert, so lassendiese sich mehr gehen und gewähren dem Detail, dem Genre-haften, dem Novellistischen und der Anekdote Zutritt. Wohlwerden auch jetzt zahlreiche römische Autoren eifrig abge-schrieben. Aber der Nachahmung des altrömischen Stils einesSueton und Sallust, eines Vergil, Lucan tritt zur Seite, besondersin den romanischen Ländern, wo der natürliche Zusammen-hang der Volkssprache mit der römischen Muttersprache nieganz zerrissen war, eine naivere, freiere, individuellere, bessergesagt: barbarischere oder nationalere Behandlung der latei-nischen Sprache, die eine realistischere und echtere Wieder-gabe der Gegenwart zuließ als die schulmäßig korrekte Nach-bildung der antiken Muster. In Frankreich und Italien eman-zipiert sich die historische lateinische Dichtung von der Herr-schaft des antiken Metrums und der antiken Grammatik.

Es ersteht dort in rhythmischer Betonung eine popu-läre Poesie, deren Sprache ein romanisiertes Latein ge-nannt werden kann. In Deutschland hat man keine ganz

Bardach, VorBpiel. 9