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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

tums (Vergil, Ovid, Lucan) und besonders die Dichtungen vonArator (De actibus apostolorum), Prudentius (Hymnen, Apo-theose Christi, Psychomachia), Juvencus (Historia evangelica).Er ahmt den Apparat der lateinischen Dichtung nach: mehr-fache Dedication in Vers und Prosa, Prolog und Epilog. Auchdie Spielerei lateinischer Schulpoesie macht er mit und bautseine Widmungen akrostichisch und telestichisch aus wie schonCommodian und Sedulius, und er polemisiert nach der Traditionder gelehrten Dichtung (Sedulius) gegen die saeculares voces.

VI,

In diesem Schwanken zwischen Homilie und Hymne,zwischen Eschatologie und Lebensbild, zwischen Geschichteund Allegorie ist es weder englischen noch französischen nochdeutschen Dichtern gelungen, einen eigenen poetischen Er-zählungsstil, sei es in lateinischer Sprache, sei es in derLandessprache, auszubilden. Die Hagiographie bewegt sichim alten Gleise fort als Vita, Passio, Miracula, Translatio.In die Visionsdichtung traten dabei auch politische Tendenzenund zwar zuerst in Frankreich. Sie wird eine Waffe im Partei-kampf, durch die man auf die Erbfolge im kaiserlichen Hauseoder das Verhältnis der Könige zu den Klöstern einwirken will.

Aber es drängen jetzt, seit dem letzten Viertel des 9. Jahr-hunderts, von oben und unten, aus der Weite und Enge neueElemente heran, die der epischen Dichtung frisches Blut undeinen lebendigeren Pulsschlag bringen sollten.

Vollends das Zeitalter der Ottonen hat dann die univer-salen Tendenzen der Ära Karls des Großen noch beträchtlichgesteigert. Das Kaisertum war durch Otto I. in der alten Größeund Weite des Imperiums erneuert, die Verbindung zwischenDeutschland und Italien, dem Erben und Bewahrer antikerTradition, wieder fest geknüpft und durch die zweite Ver-mählung des Kaisers mit Adelheid, der früheren Königin vonItalien, einer burgundischen Prinzessin, der Zusammenhangzwischen germanischer und romanischer Bildung gestärkt.Am Hof des Kaisers fanden sich Gelehrte aller Länder zusammenwie in den Tagen Karls: aus Irland, aus Lothringen, aus Italien,ja selbst aus Griechenland. Die Frauen der kaiserlichen Familienahmen besonders Teil an den wissenschaftlichen Interessen.Des Kaisers Sohn Otto II. ward, von Eckhard II. aus St. Gallen,