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Literatur und Kunst des Mittelalters
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medes und Terentianus Maurus) seit dem zweiten nachchrist-lichen Jahrhundert begonnen, setzen die altchristlichen undi'rühmittellateinischen Dichter fort. Und Beda lehrt in seinerMetrik, in einem schönen Hexameter müsse das erste Wortmit dem vorletzten, das Cästtrwort mit dem letzten auf gleichenVokal ausgehen. Otfried kennt die spätantike grammatischeund metrische Theorie (Donat, Priscian), wendet ihre Ter-minologie an und ist von ihr abhängig. Er steht aber besondersunter dem Einfluß von Bedas Metrik und der Technik derPoesie seines Lehrers Hrabanus Maurus.
Aber auch das Verhältnis des Dichters zum Stoff ist beiOtfried nun ein anderes als im 'Heliand'. Subjektive Elemente,Reflexion und Deutung, Paränese sind dafür charakteristisch.
Der Dichter des Heliand hatte den epischen Stoff aus derEvangelienharmonie des Tatian entnommen, daneben einzelneBibelkommentare, Hrabanus zu Matthäus, Beda zu Marcusund Lucas, Alcuin zu Johannes, benutzt und sich an die la-teinische Homilie angelehnt; er hatte dabei historische, spezielljüdische Züge, schwerverständliche, mystische oder dogmatischeStücke, alles Anstößige ausgelassen, Parallelerzählungen undWiederholungen zusammengezogen, zum Zweck der künstle-rischen Konzentration Umstellungen vorgenommen. Er hatdie jüdischen Verhältnisse und Personen germanisiert undidealisiert, gewisse Erzählungsmotive des nationalen Epos ein-gefügt (Beschreibung der Gastmähler, Seestürme, des Zere-moniells) — alles mit einem sichern Instinkt für das Verständnisnaiver Hörer und die Ausdrucksfähigkeit des alten epischenStils. Die realen Vorgänge, das tatsächliche Leben und WirkenChristi auf Erden steht ihm voran. Im ganzen bewahrt erdie alte Sitte des Epikers, objektiv gegebenen Stoff treu undund schlicht zu überliefern. Für Otfried ist die Auswahl desStoffes nicht mehr durch die inneren Gründe des epischenStils gegeben, nicht durch den künstlerischen Instinkt herbei-geführt. Er folgte einfach den Perikopen des Kirchenjahrs,wie er sie in seinen Lektionen vorfand, d. h. er übernahm dasdurch den Gottesdienst fest gefügte Mosaik der heiligenSchriften, dessen Reihenfolge und Zusammensetzung reinkultische Zwecke bestimmt hatten. Nicht erzählen will er alsEpiker, nicht das irdische Leben Christi will er vorführen,sondern die göttliche Natur und Wirksamkeit des Heilands, seine