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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

ristischen Motive: Traum, Spaziergang, Beziehungaufbildliche Darstellung. In diesen Träumen erscheinenihm alle Götter und alle Größen der Geschichte und Wissen-schaft: Alexander, Plato, Apollo, Asklepios, Isis, Serapis,seine philosophischen Gegner.

Ähnliche Ausartungen der rhetorischen Erfindungsgabehaben, wie ich vermute, Apuleius vorgeschwebt, wenn erim letzten Buch seiner Metamorphosen Traumoffenbarungender Isis und des Osiris häuft und durch die feierlichste, dekora-tivste von ihnen die Entzauberung des Esels herbeiführt,wobei man sich auch an das Eselskruzifix des Palatin und die inFrankreich noch bis ins 13. Jahrhundert bestehende Esels-parodie des christlichen Kultus erinnern muß.

Die christlichen Visionen lassen sich indessen noch genauersondern.

Die Vision erlebt entweder ein Scheintoter, dessen Seeleden Körper verläßt und nach der Bückkehr in den nun wiederbelebten Körper vom Jenseits berichtet: das ist der Typusdes Pamphyliers bei Plato, des Thespesius bei Plutarch, desKlosterbruders Salvius bei Gregor von Tours, des an der Pestgestorbenen römischen Soldaten in Gregors des Großen Dia-logen, des irischen Kriegsmanns Tundalus.

Oder es ist ein wirklich Verstorbener, der nachherdurch ein Wunder aufersteht: so in griechischen Bomanen,im gnostischen 'Descensus ad inferos', der als zweiter Teildes sogenannten Evangelium Nicodemi an apokryphe Pilatus-akten angehängt, im ganzen Mittelalter ungeheuer verbreitetwar und auch von der altenglischen Dichtung benutzt wordenist. Dies ist der Typus der visionären Botschaft. AuchChristus oder ein Engel oder ein Dämon kann sie bringen.Besondere Abart ist die Totenbeschwörung.

Oder die Vision erfolgt durch wunderbare Beisen,Auffahrt zum Himmel und Niederfahrt zur Hölle:das ist der Typus der alten Hadesfahrt in der Odyssee, in derAneis, im griechischen Boman, in den auf gnostische Quellezurückgehenden Akten des Andreas und Paulus, in den Visionendes irischen Odysseus Brendan auf seiner siebenjährigen See-Irrfahrt. Diese Fahrt nimmt oft den Charakter einer plötz-lichen Entrückung durch wunderbare Kräfte an: Entrückungdes Jesaia, die Luftfahrten in den pythagoreischen Legenden,