Druckschrift 
1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
Seite
113
Einzelbild herunterladen
 

Die Entstehung des mittelalterlichen Romans 113

der ihm auf den Gang zum Meere selbst in seiner Glorie erscheint,bleibt er noch sieben Tage und nimmt dann Abschied.

In diese Erzählung wirkungsvoll eingeschaltet ist miteinem alten Kunstgriff der Komposition, der in letzter Linieauf die Odyssee zurückgeht, ein Gespräch zwischen Gott inder Rolle des Schiffers und Andreas über die frühere Vergangen-heit des Apostels. Eben hat der Sturm die Gefährten geängstet,eben hat sie Andreas ermutigt mit christlichem Gottvertrauen,eben hat sich das Meer beruhigt. Die ermüdeten Genossenschlafen beim Mahle ein. Da in der einsamen Stille der Fahrt,auf der ruhigen Flut öffnet sich des Andreas Herz dem wunder-baren Schiffer. Er sucht die Freundschaft des unvergleichlichenSteuermanns. Dieser aber fragt nach den Vorgängen, die zuChristi Verfolgung führten. Nun erzählt Andreas dem schein-baren Schiffer seine Erlebnisse als Jünger des Herrn, ChristiLeben, Wirken, Leiden und Sterben.

Als Einlage dieser Erzählung erscheint dann eine höchstsonderbare Fabelei eingefügt. Als Christus zu Jerusalemim Tempel stand, gewahrte er Bilder von seinen Engeln inStein gehauen, Seraphim und Cherubim. Er befahl, daß dieseEbenbilder seiner Engel, die vor dem Himmelskönig heiligeGesänge anstimmen, von dem Postament herniedersteigenund Zeugnis für ihn ablegen sollten. Alsbald sprang das uralteWerk zur Erde nieder, der Stein von dem Stein, daß er aufrechtstand, und eine Stimme ertönte daraus, Christi Gottessohn-schaft verkündend. Aber die Ältesten erklärten es für Zauberei.Da hieß Christus die Statuen aus dem Tempel die Straße ent-lang fahren bis nach Mamre, wo die Patriarchen begrabenliegen. Dort weckten die Engelsbilder Abraham und Isaakund Jakob aus dem Todesschlaf und befahlen ihnen, eiligstnach dem Tempel in Jerusalem zu ziehen, von der GöttlichkeitChristi Zeugnis abzulegen. Es geschieht: alles Volk erfülltAngst und Schrecken, und Jesus läßt die Patriarchen in dashimmlische Reich auffahren.

Die Quelle für das altenglische Epos vom Andreas sinddie Akten der Apostel Paulus und Matthäus in der Stadt derMenschenfresser. Diese Akten liegen uns nur in einer grie-chischen Fassung und in Fragmenten einer lateinischen Über-setzung und Bearbeitung vor, und diese hat die altenglischeDichtung benutzt. Die Akten gehen zurück auf gnostische,

Burdith, Vorspiel. 8

I I