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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

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Vom neuen Testament griff man darum folgerecht auchzum alten: in England und in Norddeutschland dichtete man innationaler Sprache und in Anlehnung an den alten Stil unddie alte Metrik die ersten beiden Bücher Mose: Genesis undExodus nach.

Das Verständnis der Bibel vermittelten die Kommentareder Theologen: insbesondere der Angelsachsen Beda und Alkuin,des Franken Hrabanus. So trat das System der typologischenExegese den Dichtern nahe, das von Alexandrinischen Kirchen-vätern geprägt, von Origenes, Hilarius, Augustinus legitimiert,den historischen Sinn der Bibel in Allegorie und Symbolauflöste.

Aber auch die frühere poetische Gestaltung des heiligenStoffes durch die lateinischen Dichter der ersten christlichenJahrhunderte mußte diese englischen und deuLschen Bibel-epen beeinflussen. Und unmöglich konnten sie sich der un-vergleichlichen Macht entziehen, welche die freiere phantasie-volle und phantastische Fortbildung des evangelischen undalttestamentlichen historischen Stoffs in den Apokryphen undden Legenden ausübte. Und endlich der christliche Epiker,der den aussichtslosen Kampf kämpfte, auf der nationalenGrundlage eine völlig fremdartige Welt poetisch aufzubauen,mußte er nicht in seiner Angst um den angemessenen Stilvor allem auch an diejenige Behandlung der christlichen Tat-sachen sich anlehnen, die auf die Massen des Volks am meisteneinwirkte, die auf den Bibeltext gegründete paränetischePredigt, die Homilie?

Alt- und neutestamentliche Prophetie und Parabolik,apokryphe Schriften des alten Testaments, apokryphe Evan-gelien und Apostelakten, Märtyrer- und Heiligenlegenden,christliche Hymnendichtung, Homilie, theologische Allegorikder Väter aus diesen Quellen fließen in jene altenglische undaltdeutsche christliche Epik Ströme, die den historisch-epischenGehalt mehr und mehr mit fabulosen, märchenhaft-phan-tastischen Bestandteilen durchsetzen und in mystische Fiktionenauflösen.

Der altenglische 'Daniel', Kynewulfs Gedicht vom drei-fachen Kommen Christi, seine Legende von der Kreuzes-findung durch die Kaiserin Elene, von der heiligen MärtyrerinJuliane sowie die seiner Schule entstammenden poetischen