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Literatur und Kunst des Mittelalters
päische Welt und einen Teil der alten asiatischen Kulturgebieteumspannende Kirche, eine einheitliche Religion und vor allemeine auf sie gegründete einheitliche Weltanschauung und Bil-dung, eine einheitliche Sprache nicht bloß aller Diener undGlieder der Kirche, sondern aller Gelehrten und Literaten,alles politischen und geschäftlichen Verkehrs. Die Schrankender nationalen Sprachen bestanden auf dem Gebiet der schrift-lich fortlebenden Literatur nicht wie heute: der gemeinsameUntergrund aller mittelalterlichen landessprachlichen Literaturenwar das Lateinische. Aber nicht ein totes erstarrtes altesLateinisch, vielmehr ein lebendig und frisch seit dem Alter-tum fortgewachsenes und immer fortwachsendes, das von dengrößten Talenten aller Völker befruchtet, in allen christlichenLändern gleichmäßig genährt, einen kaum übersehbaren Reich-tum neuer eigenartiger Bildungen und Triebe auf dem ererbtenantiken Grunde entfaltete.
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Der Typus des mittelalterlichen Romans ist nicht in dennationalsprachlichen Literaturen geboren, sondern in dieservölkerverbindenden lateinischen Literatur des Mittelalters, dieeiner ihrer gelehrtesten Kenner Adolf Ebert die einzige wahr-hafte 'Weltliteratur' im Sinne Goethes nicht ohne Grund ge-nannt hat.
Wann, aus welchen Quellen und auf welchen Wegenentstand jener Typus des mittelalterlichen Romans?
Während in den romanischen Ländern eine literarischeFixierung nicht stattgefunden hat, zeigen uns der altenglischeBeowulf, die altenglischen Fragmente aus • der Entführungs-sage von Walther und Hildegund, das altenglische Fragmentvom Kampf zwischen Dänen und Friesen in der Burg desFriesenkönigs Finn, obgleich bereits aus christlicher Zeit, imganzen noch den Charakter des alten Epos: heimischer ererbterStoff, in mündlicher poetischer Überlieferung geprägt, in dernationalen Form des Stabreims, wuchtig und leidenschaftlichvorgetragen, der Dichter von seinem Gegenstand erfüllt undbeherrscht, die Erzählung vorwiegend in Dialogen, wenig oderkeine direkte psychologische Analyse, keine ausführliche Be-schreibung äußerer Dinge; ein fester epischer Stil, der reich