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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

Geschichte der Gattung, für die Entwicklung der Romanstilevon größter Bedeutung. Im Mittelalter besaß der Roman derlandessprachlichen Literaturen nahezu ausschließlich undjedesfalls zunächst in Frankreich bis zum 13. Jahrhundert,in Deutschland sogar bis zum 15. Jahrhundert poetischeForm. Der lateinische dagegen sowohl prosaische als auchgebundene Form.

Halten wir uns, was bei den technischen Ausdrückender Poetik immer das Geratenste bleibt, an die Etymologie,an die Geschichte des Wortes Roman selbst und seinen ältestenGebrauch.

Aus dem lateinischen Adverb romanice entstand ein pro-venzalisches und französisches maskulines Substantiv el romantz,romanz, romans; li romanz, romans. Es bedeutete zunächstdie Volkssprache im Gegensatz zum Lateinischen; dann sehrbald das in dieser Volkssprache verfaßte Werk, in Nordfrank-reich auch mit der Nuance: ein Werk, das in der Sprache desHerzogtums Francien, in dem guten Französisch geschriebenoder gedichtet ist. Da die Anfänge der französischen undprovenzalischen Literatur meist Übersetzungen lateinischerOriginale waren, so schlich sich auch die Bedeutung ein:einaus dem Lateinischen in die Volkssprache übersetztes Werk".

Seit dem 12. Jahrhundert aber wird in Frankreich eine neueGattung epischer Dichtung in altfranzösischer Sprache über-wiegend und ganz besonders mit dem Ausdruck Romanz be-legt, die von der ererbten alten Gattung epischer Poesie, densogenannten Chansons de geste gründlich verschieden war.

Jene Chansons de geste wurden gesungen, lebten in münd-licher Überlieferung durch die Spielleute, jogiers oder jogledors,die joculares oder joculatores. Jhren Stoff nahmen sie ausder Jahrhunderte alten nationalen Heldensage: Karl Martells,Karls des Großen und ihrer Paladine Heldentaten gegen dieSarazenen, den Auflehnungen der Bafone gegen die Königs-gewalt und den Kämpfen der Großen untereinander. Sie warengesangsmäßig in strophenartigen Systemen von einreimigenVersreihen, den sogenannten Monorimes oder Tiraden gedichtet.

Gegenüber diesen chansons de geste bot die Gattung dessogenannten Romanz etwas ganz Neues. Sie hatte eine neueVortragsart: sie wurde gesagt und gelesen. Sie hatte eineneue Form: das Reimpaar aus vierhebigen, achtsilbigen Versen.