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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

I

das beigeschriebene Motto An dem chaufe stet dev liebe denursprünglichen Sinn: einer witzigen, ein wenig boshaften Kritikan der List und Verstellungskunst käuflicher, verbuhlterWeiber. Und auch dies muß man ihm nachrühmen: gegenüberder naheliegenden Gefahr, das Motiv durch Steigerung derLiebhaberzahl zu schwächen, wie es in den Versen des Naeviusgeschehen ist, hält er sich im engen Rahmen einer übersicht-lichen Vierzahl. Vielleicht stellen künftige Funde die Geschichtedes antiken Motivs in deutlichere Beleuchtung. Aber auchjetzt schon sehen wir in seinen Schicksalen das wechselseitigeZusammenwirken literarischer und künstlerischer Mächte undihr gemeinsames Fortleben vom sinkenden Altertum an durchalle Jahrhunderte des Mittelalters bis auf unsere Tage 1 ).

EXKURSE.

1. Zu Seite 55, Anm. 1. Konrad von Mure, Summa de arte dictandi(im Abdruck Rockingers, Briefsteller und Formelbücher des 11. bis14. Jahrh., Quellen und Erörterungen z. bayerisch, u. dtsch. Gesch. IX,S. 441): Naturalis . . . ordo rem prout gesta est ordine recto piano mododeclarat et exponit. Artificialis ordo est, partibus materie artificialitertranspositis, rei geste aut ut geste narralio per verba polita decenter etornata quasi dicens [diceretur Rockinger, diceret Hs.] artificialis ordo est,qui rem gestam uel ut gestam a medio incipil narrare, et postea resnarratos de principio ducit ad finem. et hoc ordine utitur Uirgiliusin Eneide. Dies spielt an auf das Lob und die Charakteristik derHomerischen Erzählungsweise in der Arspoetica des Horaz (V. 146152):. . . nee gemino bellum Trojanum orditur ab ovo: semper ad eoentumfestinat et in medias res . . . primone medium, medio ne discrepat imum.Den letztgenannten Vers führt Konrad v. Mure selbst an S. 436, Z. 3in der Fassung ne medium primo, primum ne dissonet imum, den erstenS. 468 als Warnung vor dem vicium ex nimia prolixitate. Seine Er-örterung der sex congruitates und sex incongruitates eines Prosa-Dictamens (S. 442, 9) beruft sich auf des Oracius . . . intentionem insua poelria und ist nach Rockingers Angabe, der sie leider nicht abdruckt,'gespickt mit Versen' aus der Ars des Horaz. Andere Zitate darausstehn massenhaft in den von Rockinger mitgeteilten Stücken (sämtlichohne Quellennachweis!): der Anfang (V. 1-6) S. 428, der Schluß(V. 474 76) S. 433; ferner manche, die noch heute geflügelte Wortesind, aber auch entlegene. Beispielsweise S. 418 V. 343, 139, 304f,.

] ) Vgl. den Exkurs 8, unten S. 99.