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1,1 (1925) Mittelalter
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93
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Nachleben des griechisch-römischen Altertums 93

Liebhabern aufbläht 1 ). Es gelangte aus einer noch näher zuermittelnden Quelle, welche die Parallelen systematisierendnebeneinander stellte, in die 'Origines' des Isidor und aus diesemgroßen Konversationslexikon des Mittelalters dann vielleichtin geistliche Kunst und Dichtung, wofür aber Belege bisherfehlen, zuletzt und sicher nachweisbar in die weltliche Literaturder Landessprachen.

Dabei ist nun von hohem Interesse ein starker Gegen-satz. Die minnigliche Frauenanbetung der Troubadourenahm dem drastischen Bilde der frauenverachtenden antikenKomödie den satirischen Stachel und paßte es der gesell-schaftlichen Konvenienz der ritterlichen Hof kreise an:die Dame verteilt demnach ihre Liebeszeichen nicht mehr,weil sie eine Buhlerin ist und der echten Liebe nicht fähig,sondern, bestürmt von mehreren gleichwerten Werbern, aus Ver-legenheit und sozusagen aus einer Höflichkeit des Herzens,so daß an ihren Kunstgriff sich ernsthafte Erörterungen undStreitigkeiten über das beweisende Zeichen der wahren Liebeknüpfen können. Der Illustrator, der für den Domherrn Tho-masin, Walthers Antipoden, einen Mann von strengerer, kirch-licher Moral 2 ), arbeitet, verharrte dagegen in der alten, antikenTradition, wie sie bei Isidor erscheint, und wahrt dem Motivim Einklang mit der dichterischen Vorlage, die, wie ich oben(S. 88) schon ausführte, mit schärfstem Nachdruck die käuf-liche Liebe bekämpft und jeden Versuch, Liebe zu erkaufen,als töricht und sündhaft brandmarkt, noch besonders durch

x ) Ribbeck liest als ersten Vers: Quasi in choro ludins datatimdät se et communim facit; dann als den zweiten Vers: Alii adnutat, aliiadnictat (blinzelt sie an), alium hamat (ködert sie), alium tenet, wasallein vier Liebhaber ergibt. Darauf fährt er fort:Alibi manus est öccupata, alii percellit pedem,Anulum dat älii, spectandum ä labris aliam invocat,Cum alio cantat, dt tarnen älii suö dat digito litteras.Die Ergänzung stammt aus dem Naevius-Zitat bei Festus s. v. Adnictat.Schon in Arevalos Isidor war darauf hingewiesen. Wackernagel aberhatte sich dem nicht angeschlossen, sondern der Auffassung, daß IsidorsZitat den richtigen Verfassernamen biete, also Ennius Verse des Naeviusnachgeahmt und überboten habe. Diese Annahme ist aber nach demUrteil der Sachkundigen ausgeschlossen.

2 ) Vgl. dazu meine Ausführungen, Zentralbl. f. BibliothekswesenBd. 8 (1891) S. 15 f. (Vom Mittelalter z. Reformat. 1, Halle a. S. 1893,S. 15f. [unten wieder abgedruckt]).

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