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Literatur und Kunst des Mittelalters
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tragenen eine literarische Anregung zugrunde, dann wird man diesein der griechischen Komödie suchen. Bekanntlich lebtedie neuere attische Komödie, insbesondere Menanders Bühnen-dichtung, die ein Spiegel des Lebens sein wollte, von Liebes-geschichten, in denen die kokette Hetäre eine Hauptrollespielte. Heldin des Stücks ist sie in seiner berühmten KomödieThais', die für den lateinischen Typus der 'Tarentilla' desNaevius das Vorbild gab 1 ). Bündig faßt Ovid die typischenCharaktere Menanders zusammen (Amores I 15, 17):
Dum fallax servus, durus pater, improba lenaVivent et meretrix blanda, Menandros erit.
Diese mit derberen, italischen Farben auch in den Komödiendes Plautus wiederkehrende meretrix blanda also ist es, derenwankelmütige Gefallsucht in der Symbolik jener beiden vonIsidor zusammengestellten Bilder der Untreue einer impudicaursprünglich zur Anschauung gebracht wurde.
Nach allem Gesagten stehe ich vor der Möglichkeit oderauch Wahrscheinlichkeit folgender Entwicklung, die Sach-kundigere prüfen mögen. Die wankelmütige Frau, die zweienoder dreien oder mehreren Liebhabern durch verheißendeLiebeszeichen ihre Hingabe vortäuscht, war eine Hetärenfiguraus der neueren attischen Komödie, sei es als Bonmot zurCharakteristik der Hetäre oder von einer dramatischen Szenewirklich vorgeführt. Von dorther griff es die hellenistischeKunst auf: die Kleinskulptur, vielleicht auch die Vasenmalerei.Danach wurde es in Alexandria von Theokrit zum Gegenstandeiner jener szenisierenden Beschreibungen kunstvoller Gerätegemacht in seiner ersten Idylle. Es gab die Form her für eineAllegorie in der Spruchdichtung Alexandrinischer Juden desdritten Jahrhunderts und wurde in dieser Umgestaltung auf-genommen in die Schlußredaktion der Proverbien. Es liefertedie Vorlage für die von der attischen Komödie abhängige,vielleicht auch durch Alexandrinische Muster beeinflußteSchilderung des Naevius, die aber das alte plastische Motivdurch rhetorische Häufung überlädt und zu einem nicht mehrübersehbaren Personal von zehn durch Liebeszeichen gefoppten
*) Menandri et Philemonis reliquiae ed Aug. Meineke, Beroüni1823, S. 73ff.; Comicorum Atticorum Iragmenta ed Th. Kock Bd. 3,Lipsiae 1888, S. 61 f. Nr. 217.