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Literatur und Kunst des Mittelalters
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Theokritischen Idylle auch erst im Keim zeigt, so erweist dochgerade er den bildhaften Ursprung. Jener Beschreibung desBecher-Reliefs, das die Frau zwischen den zwei Liebhabern dar-stellt, folgten in dem Gedicht Theokrits noch die Beschreibungenzweier weiterer Skulpturen desselben Bechers: eines greisenFischers auf einem Felsen, der angestrengt ein großes Netzheranzuziehen sich müht, und eines Knäbleins, das als Hütereines Weingartens aus Asphodelos-Stengeln eine Heuschrecken-falle flicht und darüber nicht bemerkt, daß zwei Füchse sowohlden Trauben als seinem Frühstück im Ranzen nachstellen. Allesdrei Genrebilder echt Alexandrinischer Art. Aber alle dreiwurzeln in altgriechischer literarischer Tradition. Die Abbil-dungen des Liebesstreits der zwei Verliebten um die Frau unddes Knäbleins im Weingarten haben ihren Ahnherrn in zwei ver-wandten Szenen der homerischen Beschreibung des Schilds desAchilleus: in dem Streit der zwei Männer um das Sühnegeld füreinen Erschlagenen vor einer Partei nehmendenMenge, vor Herol-den und zu Richtern aufgerufenen Greisen (II. XVIII, 498—508)und in dem Fest der Weinbergslese, wo ein Knabe den die Frucht-körbe tragenden Jünglingen und Jungfrauen zum Tanz das Linos-lied singt und spielt (IL XVIII, 561—572). Die Abbildung desalten, das Netz ziehenden Fischers hat ihre Parallele in HesiodsBeschreibung des Heraklesschilds, der gleichfalls neben anderenDarstellungen einen auf dem Uferfelsen sitzenden, mit demNetz hantierenden Fischer zeigt (Scut. 213—215). Aber dieseBildbeschreibungen des Theokrit sind dem epischen Stoffkreiseund Stil entrückt, dem Geschmacke der Alexandrinischen Kunstangepaßt. Es ist die bereits oben (S. 55 f.) erörterte Manier,prächtige fingierte Gefäße, Geräte, Kunstwerke eingehend zuschildern. Schon Anakreon war vorangegangen mit einemDiskos, der die Aphrodite darstellt; Moschos beschreibt einenKorb der Europa, Ovid (Met. XIII 680—701) den reliefge-schmückten Mischkrug des Aeneas, Vergil (Ecl. III 44ff.) dasbildverzierte Becherpaar des Alcimedon, Martial (VIII 51) eineTrinkschale aus Elektron mit einem auf einem Bock reitendengeflügelten Eros. Indessen wenn es auch keinem Zweifel unter-liegt, daß die Dichter in diesen Beschreibungen, eben weil siedarin einer Sitte des poetischen Stils folgen, ihre Phantasieziemlich frei walten liessen, so müssen sie doch, um nicht lächer-lich zu wirken, immerhin sich auch nach wirklichen Kunst-