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Literatur und Kunst des Mittelalters
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Es regt sich in dieser Konzeption Ekkehards die Wirkung derneuen Rolle, die damals in Deutschland der freien monumentalenPlastik zufiel im Dienste des Kirchenschmucks und die angeregtwar durch den Eindruck antiker Bildwerke Italiens auf einigegelehrte deutsche Kirchenfürsten. Ist doch die Bernwardssäulein Hildesheim ein sicheres Beispiel dieser bewußten Anlehnungan die Form und die Motive antiker Skulptur und eine naiveNachbildung der Trajanssäule in Rom. Ob nach EkkehardsAbsicht die sieben Standbilder auf den sieben Pfeilern stehnsollten, etwa wie die Stückfiguren über den Säulen im nördlichenSeitenschiff der Hildesheimer Michaelskirche, oder ob er, derspäteren tatsächlichen Entwicklung der deutschen Plastik vor-greifend, schon die Figuren den Pfeilern vorgebaut oder inNischen eingefügt sich gedacht hat, lasse ich unentschieden 1 ).Jedesfalls ist seine Beschreibung ein Beispiel für die wechsel-seitige Befruchtung dichterischer und bildnerischer Phantasie.
Das althochdeutsche Gedicht von der Samariterin hatfreilich nichts mehr vom Charakter eines inschriftlichen Titulus.Schon sein Anfang gibt ihm ein selbständigeres Gewicht. Aberdie gesonderte dichterische Gestaltung dieser Szene aus demLeben Christi, die das Evangelium mit einem so tiefen, unmittel-bar verständlichen und ergreifenden Sinn erfüllt, war, wie ichglaube, eine Frucht des Eindrucks der traditionellen bildlichenDarstellung, vielleicht auch hervorgerufen durch ein bestimmtesKunstwerk.
IX.Die plastische und malerische Darstellung des Toten-tanzes, deren Höhepunkt Holbeins berühmtes Werk ist, pflegtman jetzt auf dramatische Aufführungen und ein deutschesdramatisches Gedicht zurückzuführen. Der Ausgangspunktfür die junge Entwicklung in der bildenden Kunst könntedanach eine illustrierte Handschrift sein und sich hier die oftzu beobachtende Einwirkung der Buchmalerei auf die Tafel-malerei und Skulptur wiederholen. Doch halte ich diese Auf-fassung des Verhältnisses keineswegs für sicher, glaube vielmehr,daß hier ein kompliziertes Verhältnis gegenseitiger Befruchtungvorliegt.
x ) Vgl. W. Bode, Geschichte der deutschen Plastik, Berlin 1885,S. 22f., 24ff.