Druckschrift 
1,1 (1925) Mittelalter
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83
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Nachleben des griechisch-römischen Altertums 83

banus Maurus, Ermoldus Nigellus, des Sedulius Scottus,Ekkehards IV 1 ).

Der letztgenannte, der vieltätige und als GeschichtsschreiberSt. Gallens hochbedeutende Schüler Notkers des Deutschen lehrtuns für unsere Frage am meisten. Von Abt Purchard IL, einemeifrigen Förderer der klösterlichen Dichtung, bekam er den Auf-trag, zu dem unter dessen Vorgänger Ymmo (97580) ent-worfenen Gemäldezyklus über das Leben des heiligen Gallusim Kloster St. Gallen entsprechende Verse zu dichten, die unsin zwei Fassungen erhalten sind. Und als Ekkehard nach seinesLehrers Notker Tod (1022) die Heimat verlassen und in Mainzunter Erzbischof Aribo (102031) Schulvorsteher gewordenwar, veranlaßte ihn dieser, für die geplanten Wandmalereien desim Bau begriffenen Domes über die ganze Geschichte des altenund neuen Testaments erläuternde Gedichte zu verfassen.Nicht alle davon sollten zur bildlichen Darstellung kommen,vielmehr sollten nur die ausgewählt werden, die sich für bildlicheDarstellung eigneten 2 ). Endlich haben wir von ihm am Schlußeiner Boethiushandschrift, die auch Ciceros Topica enthält, einevon bildnerischer Phantasie beeinflußte Beschreibung der siebenfreien Künste. Nach der Allegorie der Proverbien 9, 1, wo esvon der personifizierten Weisheit heißt: 'Sie erbaute sich einHaus und fertigte sich sieben Säulen', stellte er sich die siebenWissenschaften gleichfalls in menschlicher Gestalt vor, alsStatuen auf sieben Säulen 8 ). Selbstverständlich folgte er indieser Ausdeutung der Proverbienallegorie einer Tradition,deren älteste Quelle zu ermitteln bleibt.

x ) Ed. Dümmler, Ekkehart IV. von St. Gallen, Zeitschriftf. dtsch. Alt. 14 (1869), S. 3f. 10, 30 (Ausgabe der Versus ad picturasclaustri S. Galli Purchardi [II] abbatis [1001-22] iussu S. 34-42);Friedr. Schneider, Der heil. Bardo (Anhang: Der dichterische In-schriftenkreis Ekkehards IV. des Jüngeren zu Wandmalereien amMainzer Dom), Mainz 1871; I. Kieffer, Ekkehards Versus ad picturas,Mainz, Progr., 1881; vgl. Janitschek, Festgruß an Springer, S. 20bis 28; Derselbe, Geschichte der deutschen Malerei, S. 60; Leitschuh,Karoling. Malerei, S. 5469; Die 'Tituli 5 herausgegeben von E. Dümmler,Monum. Germaniae, Poetae latini aevi Carolini, Tom. I und II, Berolini1881, 1884.

2 ) Dümmler, Zeitschr. f. d. Alt. 14, S. 4: Versus ad picturasdomus domini Mogontine ueteris testamenti et noui Aribone archiepiscopoiubente modulati. eligantur qui picturis conueniant.

8 ) Dümmler, Zeitschr. f. d. Alt. 14, S. 30.

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