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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

enthält das 827 von Ludwig dem Frommen der Abtei des heiligenMedardus in. Soissons geschenkte Evangelienbuch (Paris Bibl.nat. 8850), das vielleicht sogar aus dem Erbe seines Vaters, desgroßen Karl stammte, am Anfang des Johannes-Evangeliumsseitwärts über dem das Bild des Evangelisten umrahmendenBogen im Zwickel ein kleines vignettenhaftes Bild der Brunnen-szene. Nicht ohne Grund sieht Janitschek gerade in den diesemKodex eigenen Vignettenbildern über dem traditionellen Evan-gelistenbildrahmen den Einfluß griechischer oder syrischerHandschriften, die derartige Verzierung liebten 1 ). Das Bild derSamariterin muß auf die frühchristliche und zwar wahrschein-lich auf die griechisch-syrische Kunst zurückgehn; schon zurZeit Theoderichs kommt es vor: als Mosaik in S. Apollinare zuBavenna und in dem syrischen Evangeliar des Babula von 586(Florenz Bibl. Laurentiana). Dann taucht es in der OttonischenZeit auf im Echternacher Evangeliar Ottos III. zu Gotha 2 );ferner als Erzskulptur auf der 1022 vollendeten Tür, die BischofBernward von Hildesheim gießen ließ 3 ).

Man kann das althochdeutsche Gedicht herleiten aus derin der Karolingerzeit oft bezeugten, aus frühchristlicher undantiker Zeit ererbten Sitte, Bilder, sei es in Handschriften, seies in "Wandmalereien, mit Versen zu begleiten, die ihren Inhaltdeuten und umschreiben, oder für die Ausführung geplanterBilder vorher ein Programm in Gedichten zu entwerfen. Wirkennen viele Gemäldezyklen der Karolingischen Zeit nur aussolchen Bildergedichten oder Tituli: die Wandmalereien imPalast und der Palastkapelle zu Aachen, in der Palastkapellezu Ingelheim, in Kirchen Frankreichs, in Fulda, in St. Gallen,im Dom zu Mainz. Und Verse bekanntester Dichter sindes, die uns diese Kunde geben: Alkuins, Theodulfs, des Hra-

*) Vgl. H. Janitschek, Straßburger Festgruß an A. Springer,Berlin-Stuttgart 1885, Das orientalische Element in der Miniaturen-malerei (der Karolingerzeit), S. 5 15; Derselbe in der Ausgabe derTrierer Ada-Handschrift (Publikationen d. Gesellsch. f. rheinische Ge-schichtskunde VI), Leipzig 1889, S. 90f.; Fr. Leitschuh, Geschichteder karolingischen Malerei, S. 48 53; Samuel Berger, Hist. de laVulg., S. 268, 405; Abbildung bei Comte De Bastard, Peintureset ornements des manuscrits (mir unzugänglich). "%

2 ) Vgl. die Bilder der Handschrift des Kaisers Otto im Münsterzu Aachen, hersg. von Stephan Beissel S. J., Aachen 1886, S. 23.

8 ) S. Beissel, a. a. O., S. 42.