Nachleben des griechisch-römischen Altertums 79
Einzelzüge vorbereitet: in dem der Psychomachie gewidmetenZyklus erscheint unter den gegen die Tugenden kämpfendenLastern auf einem Bilde die Habsucht (Avaricia) in einemWagen sitzend, den Betrug (Fraus) und Grausamkeit in derGestalt eines Fuchses und eines Löwen ziehn, während Halb-figuren anderer Tiere die Eigenschaften der Avaricia versinn-bilden, nämlich der Geier die Geldgier (Philargiria), das Schweindie Schmutzigkeit (Sordiditas), der bellende Hund den Geiz(Tenacitas), der Bär die Gewalttätigkeit (Violencia), der zähne-fletschende Wolf die Baubgier (Bapacitas), das schlingende Binddie Gewinnsucht (Farnes acquirendi) 1 ).
Das Bild von dem sich umdrehenden Glücksrad, an demdie einen aufsteigen, die andern hinabstürzen, ist in plastischenAbbildungen und in Miniaturen oft dargestellt worden. Unteranderen wieder auch im 'Hortus deliciarum' 2 ). Das Glück(Fortuna) erscheint hier als Königin mit der Krone, auf einemKönigsthron sitzend und mittels einer Kurbel ein Bad drehend,an dem sechs Gestalten die volle Herrschergewalt, das Schwan-ken, das Absteigen, den Sturz und das allmähliche Wieder-aufsteigen eines Königs veranschaulichen. Dieser Darstellunggeht voran ein höchst merkwürdiges, innerlich verwandtes Bild,das im Anschluß an den für Salomos Werk geltenden Ecclesiastes(Koheleth) die Eitelkeit der irdischen Freuden undLeiden vorführt: König Salomo in seinem Palast auf dem Thronbeobachtet als Zuschauer ein Puppenspiel, das nebenan aufeinem Tisch von zwei Personen ausgeführt wird, indem sie zweibewaffnete, mit dem Schwert kämpfende Figuren an Fädenlenken. Hier haben wir also im 12. Jahrhundert eine Verkörpe-rung jener Lieblingsvorstellung des jungen Goethe: das mensch-liche Leben ist ein Marionettentheater.
Die bildlichen Darstellungen des Glücksrades haben aufmittelhochdeutsche Spruchdichter und Epiker eingewirkt.Beinmar von Zweter (ed. Boethe S. 531, Nr. 246) beschreibtgeradezu ein solches Bild, das eine vereinfachte, aber treueWiedergabe der Darstellung der Herrad von Landsberg ist.Germanisten und Kunsthistoriker haben die Geschichte dieser
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x ) Ausgabe von Straub-Keller, Lieferung 7, Planche LI, Text S. 38.2 ) Vgl. die Ausgabe von Straub-Keller, Lieferung 7, S. 42,.Planche LV.
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