Nachleben des griechisch-römischen Altertums
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hatte, ihm die Irrlehre vor, die dritte Person der Trinität, derheilige Geist sei selbst in Maria inkarniert, durch sie Fleischgeworden 1 ). Mochte Rupert auch durch den Nachweis, daß dieangefochtenen Sätze seiner Schrift sich auf Worte Papst Gregorsstützen, die Verurteilung wegen Ketzerei abwenden, wir er-kennen doch jedesfalls aus dem Vorgang: seine Spekulation,die im Weibe eine dreimal größere Sündenverstrickung unddarum auch einen dreimal größeren Haß gegen ihren Urheber,die Schlange, findet als im Manne und glaubt, daß der Erlöser,weil allein er einzig vom Weibe stammt, deshalb auch die Feind-schaft gegen die Schlange, die Verführerin des ersten Weibes,stärker empfindet als alle übrigen Menschen, die ja Vater undMutter haben 2 ), dieser mystische Marien-Enthusiasmus konnteleicht als Blasphemie empfunden werden. Aber wie hoch erhebtRupert anderseits in der Maria das weibliche Geschlecht durch dieDarlegung seines Hohenliedkommentars, daß die Schöpfungweit übertroffen werde von dem Wunder der Menschwerdung,weil dort aus Adams Rippe das Weib, hier aus dem unver-sehrten jungfräulichen Leib des Weibes ohne Mitwirkung desMannes der Mann hervorgehe, dort aus dem Mann ein sündigesWeib, hier aus dem Weibe der entsündigende Mann 8 )!
Dem Evabilde des Weibes wird hier in der von Gott ge-liebten Maria ein transszendentes Frauenbild entgegen-gesetzt. Auch im Trudperter Hohenlied erklingt mit schärfstemNachdruck diese Antithese: die heilige Jungfrau und Gottes-mutter gibt allen gläubigen Seelen, die sich Christus verloben,das Ideal einer neuen Frauen-Natur, ein Muster derneuen Minne. Nicht jener Eva-Minne, die Kinder hervor-bringt, sondern jener geistlichen Minne, die den Zustand schafft,in dem die Seele 'Gott schmeckt'. Darin gibt es zwei Stufen:das Erwärmen der Seele an der Gottesminne, wobei sie sichnach dem heiligen Geiste formt wie Wachs, zu allerlei Guttatund gutem Willen, und die höhere Stufe, das Zerfließen derSeele mit der Gottesminne, das heißt das Zurückfließen der Seelein Christi Gottheit, aus der sie geschaffen wurde, dessen Bildsie an sich trägt*). •'
*) Rocholl, a. a. O., S. 89.
2 ) Rocholl, a. a. O., S. 232.
s ) Rocholl, a. a. O., S. 234.
4 ) Ed. Haupt, 16, 10ff., 65; 17f., 72, 6-32.