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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

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bewußter Kraft, fühlt sich als privilegiert vor den weltlichgerichteten Menschenkindern.

Und nun gewinnt auch der ledulus Salomonis (3, 7) eineneue, geistige BedeutungWas tat Salomon auf seinem Bett ?Er sann und trachtete nach Frieden. Also tat Salomon pacificus,das ist Gott, unser aller Herr. Er ruhte zu allererst in demKönigs-Bette, das war die Seele meiner lieben Frau, ihr Leibaber war das königliche Zelt, das ihm der heilige Geist gezieret.Das Bett war von Anbeginn der Welt befohlen demHelden Gabriel, das bedeutet Gottes Stärke".Auf dieses Königs-zelt bezieht sich das Prophetenwort: In sole posuit tabernaculumsuum (Psalm 18, 6). Diese Jungfrau war der Acker, sie war dasBett, auf dem Gott ruhte. Woran dachte er da? Das ver-nehmet : er dachte wie er versöhne Himmel und Erde, Gottund Menschen, und Friede brächte aller Well" v ).Er ruht aberüberhaupt in allen reinen Seelen, die christliche Tugenden,Demut und Keuschheit besitzen, und die Gott geschmeckthaben. Er wohnt in den Herzen der Guten und wird dort be-wacht von den heiligen Lehrern, die als Schwert das WortGottes in ihren Händen tragen" 2 ).

So erscheint das Hochzeitsbett und Hochzeitszelt desSalomo als Symbol der uranfänglichen kosmischenLiebeskraft, die Himmel und Erde, Gott und Menschenseelevereint. Gewiß war dieser Ausleger des Hohenliedes entfernt vonpantheistischer Ketzerei und bemüht, in der Bahn des kirch-lichen Dogmas zu bleiben. Aber unzweifelhaft streift seineAllegorese die alleräußersten Grenzen der Orthodoxie und stehtim Banne jenes enthusiastischen Kommentators des Hohen-liedes Rupert von Deutz, der im Gegensatz zu den gleich-zeitigen großen theologischen Dialektikern der französischenSchulzentren einen Hauch Platonischer Gotteslehre und Erotiksich gleichviel auf welchem Wege angeeignet hatte und dieSpekulation der griechischen Väter, eines Gregor vonNyssa und seiner Nachfolger, fortsetzte. Ihm war die Mensch-werdung Gottes nicht die Folge des Sündenfalls, keinbloßes Mittel der Reparation und Sühne. Sie war ihm ein not-wendiger kosmischer Vermittlungsprozeß, ein für die

7-15.

*) Ed. Haupt, S. 41, 5-12. 25-29 und S. 19, 19-20, 6; 20,

2 ) Ed. Haupt, S. 42,6-14.