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Literatur und Kunst des Mittelalters
mentare Naturgewalt der Liebe nimmt und ihn einschränkt aufdie besondere Liebe Christi zur Synagoge (137, S. 62, Z. 2f.):uuanta min minna ist samo stark so der tod ingegen dich; ist abodin nith samo strenge so diu hella ingegen mich.
V.
Auch die Übertragung und Auslegung des Hohenliedesin der St. Trudperter Handschrift, die uns um die Mittedes 12. Jahrhunderts aus dem mystischen Gefühlskreis einessüdwestdeutschen Nonnenstiftes 1 ) eine Umgießung der ArbeitWillirams vor Augen bringt, dämpfte wie er jenen Posaunenstoßdes jüdischen Hellenismus über die Allmacht des Eros ab zumfrommen Lobpreis der Liebe Christi. Aber dieses Denkmal früh-mittelhochdeutscher Klostermystik, kein volles Jahrhundertjünger als Williram, führt in ein völlig anderes geistiges Klima.Wohl ist es erfüllt von theologischem Wissen und asketischerStrenge. Aber die Allegorik dieser Interpretation des Salo-monischen Hochzeitssanges durchglutet eine schwärmerischeInbrunst, eine heilige Wollust. Das alte Brautbild wird hier zumHymnus auf die 'ruhigste Süße' jener Liebe, die vom heiligenGeist in alle geistlichen Menschen ausströmt, zumal in die Jung-frauen, die sich in klösterlichem Leben Christus verlobt haben.Das 'Canticum canticorum' erklingt diesem von mystischerGottessehnsucht entzündeten Deuter als das Reden des heiligenGeistes durch den Mund des weisen Salomo, als eine Weide derinneren Sinne, als reiche Schatzkammer der Weisheit. Erruft: „Vertraue dem heiligen Geiste, liebe ihn; denn er ist derFinger Gottes, der deine Wunden heilt. Er bindet Leib undSeele, er bindet im Himmel Vater und Sohn. Er bestimmt dasGewicht für Himmel und Erde, Gott und Mensch. Er läutertdas Herz, er bringt Gott dahinein und lehrt uns um die rechtenDinge bitten". Er war als Güte bei der Schöpfung des Menschenzusammen mit der 'Macht' (Gottvater) und der 'Weisheit'(Gottsohn) beteiligt, indem er zur Gottheit sprach: „Wir sollenein Geschöpf erschaffen, mit dem wir teilen und gemein haben
*) Mit Recht hat W. Walther, Die deutsche Bibelübersetzungdes Mittelalters, 3. Teil, Braunschweig, Wollermann 1892, S. 530f.,531 Mitte, die spitzfindige Beweisführung Hayners, die jede Bezug-nahme auf einen weiblichen Hörerkreis auszuschließen sucht, sich nichtzu eigen gemacht, sondern angezweifelt.