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1,1 (1925) Mittelalter
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Nachleben des griechisch-römischen Altertums 6&

Einwirkung gnostischer Spekulation, ebenfalls später im Mittel-alter auf verschiedenen Wegen und in wechselnder Richtungbeeinflußt von der Weisheits-Parabolik des Buchs desSiraciden und des 'Liber sapientiae' wie der Proverbien. Diedem Alexandrinischen Judentum der hellenistischen Zeit ge-läufige Personifikation und Hypostasierung der göttlichenWeisheit erscheint dort stellenweise in dramatischer Ein-kleidung, die stark an das Hohelied erinnert. So wird dieWeisheit (Ecclus. 24, 1247) als herrliches Weib vorgeführt,dem Gott der Schöpfer, dem sie dient, irdische Wohnung inIsrael bereitet, und ihre Schönheit und köstlichen Gaben werdenmit realistischen Bildern geschildert. Salomo aber, in persön-licher Ich-Rede preist sie als omnium artifex (Sap. 7, 21), alsvapor virtutis Dei, als emanatio quaedan charüotis omnipotentisDei sincera (7, 25), als speculum sine macula Dei maiestatis etimago bonüatis illius (7, 26), als schöner denn Sonne und Sterneund alles Licht (7, 29), und bekennt sie von Jugend an geliebtzuhaben, nennt sie seine Braut und künftige Bettgenossin(Sap. 8, 2f. 9, 16, 18). Hier also erscheint die gottergebeneFrömmigkeit als Liebes- und Ehebund eines einzelnenMenschen mit dem göttlichen Geiste, der als Weisheitemaniert und Gestalt gewinnt. Das ist die Urform jener Para-bolik einer Brautschaft und Ehe der Menschenseele, desEinzelmenschen mit dem göttlichen Geiste, die inder Gnostik, bei Tertullian, Origenes, Makarios, Gregor vonNyssa, Ambrosius, Aponius als Nachklang griechischer Theo-sophie, insbesondere Platonischer Eros-Mystik fortlebte und diedann im 12. Jahrhundert die mittelalterliche Frömmigkeit neuinspirierte und befruchtete. Diese Sapientia floß in der christ-lichen Dogmatik, namentlich in der mystischen Spekulationzusammen mit dem göttlichen Logos des Johannes-Evangeliumund dessen Verkörperung Christus. Schon im Evangelium desLucas (11, 49; vgl. 7, 35) und bei Paulus (1. Kor. 1, 24. 30)tritt dieselbe Gedankenreihe hervor. Die Gnostiker hatten siedann weiter ausgebaut.

Die bildnerische Phantasie des Mittelalters war von dieserPersonifikation der Wemeit schon im Karolingischen Zeitalterbefruchtet worden: die berühmte Alkuinbibel der BambergerBibliothek aus der Schreibschule von Tours stellte sie in demReif eines Initials dar als Sophia sancta sitzend auf silbernem

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