Nachleben des griechisch-römischen Altertums 61
Bette 1 )." Darauf folgt dann freilich mit wirrer Verschiebungder Allegorie die andere Deutung: 'Die Kirche, die da die Ver-lobte ist des wahren Salomo' (Ecclesiam, diu der gemahela ist veriSalomonis). Nun ist also die Kirche nicht mehr das Bett Salo-mos und damit Christi, sondern sie selbst ist seine Braut. Inder Vulgata 3, 7 heißt es: 'Siehe, um das Bett Salomos wandelnsechzig Tapfere von den Tapfersten in Israel, alle Schwertertragend' usw. 2 ). Gemeint ist im Original die Brautsänftedes Königs Salomo, die dann gleich darauf mit einem neuenAusdruck als ferculum ((pogelov) nach ihrer Herstellung undihrem Material geschildert wird: aus Zedernholz des Libanon,mit silbernen Säulen, goldener Lehne, purpurnem Polstersitz(Vulgata Kap. 3, 9 f.). Dies Prachtstück lenkt aber von selbstdie Gedanken und Blicke des Dichters auf Salomos Person:die Töchter Zions ruft er herbei, sie sollen ihn bewundern inseinem Diadem, das ihm seine Mutter aufsetzte zu seinem Hoch-zeitsfeste (3, 11).
So lag es für die Leser und Erklärer nahe, dieses Ruhebett,das nach der eigentlichen Anschauung des Dichters ein hohestragbares Paradebett oder auch nur ein Tragstuhl auf Säulengewesen ist, in Verbindung zu bringen mit jenem großen sechs-stufigen, von Löwenskulpturen flankierten ThronKönig Salomos, den die jüdischen Geschichtsbücher (3. Reg.[Luther: 1. Könv] 10, 18—20; 2. Paralip. [Luther: 2. Chrom]9, 17—19) offenbar nach dem Vorbild wirklich geschauteraltorientalischer Königsthrone voller staunendem Ent-zücken beschrieben als ein Wunderwerk, das in keinem andernLande seinesgleichen hätte: Non est factum tale opus in uni-versis regnis. Es war der sinnfälligste Ausdruck der gefeiertenHerrlichkeit dieses durch Reichtum und Weisheit zu einemIdealbild emporwachsenden Königs: des magnificatus superomnes reges terrae divitiis et sapientia. Der Auslegung war hierein weiter Spielraum geboten. Und die Phantasie konnte sichdie möglichen Beziehungen sehr verschieden in Wirklichkeit
*) Uox Ecclesiae de Christo. Sino daz bette des kuninges Salomonis,daz umbegenl des nahtes sezzech biderba gnehta der allero biderbeston inIsrael . . . Daz bette ueri Salomonis daz ist Ecclesia; in iro ruouuet er,also der man in sinemo bette.
2 ) En lectulum Salomonis sexaginta fortes ambiunt ex fortissimisIsrael, omnes tenenles yladios usw.
II