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Literatur und Kunst des Mittelalters
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Veldekes Dichtung bekannten Bett Salomos preisen will,dürfen wir aus der Erwähnung schließen, daß Veldeke jenesLager Salomos ausführlich beschrieben. Das erscheint aller-dings befremdlich und hat befremdet, ja es hat sogar zum Zweifelan der Richtigkeit der ganzen Angabe geführt 1 ). Aber wiederhandelt es sich um ein poetisches Motiv, das in seinem Ursprungzurückgeht auf traditionell fortlebende Eindrücke uralterbildender Kunst und Symbolik des Orients, dannfrüh in der jüdischen wie christlichen religiösen Literatur auf-genommen und allegorisch gewendet war, nachdem das 'Can-ticum canticorum', jener jüdisch-hellenistische Idyllenkranz,der meines Erachtens zu Alexandria in der Ptolemäerzeit(3. Jahrhundert v. Chr.) unter dem Einfluß der DichtungenTheokrits und vielleicht auch persischer Liebesromantik entrstand 2 ), eine unerschöpfliche Fundgrube geistlicher Erotik mitsinnlich weltlichen Farben geworden war, aus der sich zu be-fruchten die Phantasie der Dichter und Maler niemals müdeward.
Treffend erinnerte man daher 3 ) an Willirams Para-phrase des Hohenliedes Kapitel 24, 1. 'Die Stimme derKirche'. „Siehe, schön bist du mein Geliebter, und ehren-reich . . . Unser Lager wohl geblümet 4 )." Man hätte indessenvor allem auf die Hauptstelle Kap. 51, lff. (Seemüller S. 20)hinweisen sollen, welche die eigentliche Beschreibung des Ruhe-betts König Salomos und dazu die Deutung auf die Kircheals das Bett Christi und die Deutung des Geleits von sechzigHelden auf die sancti doctores enthält: 'Die Stimme derKirche'. „Siehe, das Bett des Königs Salomo, das des Nachtsumwandeln sechzig wackere Kriegsmänner, aus den aller-wackersten in Israel. . . Das Bett des wahren Salomo, dasist die Kirche; in ihr ruhet er gleich wie der Mann in seinem
*) Behaghel in seiner Ausgabe der Eneide S. CLXIII, dagegenKinzel, Zeitschr. f. dtsch. Philologie 14, 110 und Lichtenstein,Anzeiger f. dtsch. Altertum 9, 21 f.
2 ) Vgl. den Exkurs 3 am Schluß, unten S. 95.
3 ) Bech, Germania 17 (1857), 174 und Martin, Zeitschr. f.dtsch. Alt. 36, 204.
4 ) Seemüllers Ausgabe S. 9: Uox Ecclesiae. Sino (ecce), scöne bisttu, uuine min unte Mich . . . Unser bette ist uuola gebluomet (Vulgata 1,15Ecce tu pulcher es dilecte mi et decorus: lectulus noster floridus).