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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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59
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Nachleben des griechisch-römischen Altertums 59

aufgerissenen Augen, die Schleppe ihres Kleides und ihr langes,weites um den Leib, den in die Seite gestemmten linken Unter-arm und den Rücken sich herumschwingendes Übergewandflattern durch das hastige Reiten im Winde. In der Rechtenhält sie die gezückte Lanze wie zum Stoß ausholend. DasGanze ist von packender Kraft und leidenschaftlicher Re-wegung. Schönbach hat dann den gelehrten antiken Ur-sprung des in dem mittelhochdeutschen Spruch frei und eigen-artig fortgebildeten Motivs richtig betont (Zeitschr. für dtsch.Altertum 38, 136f.). Er führt dessen literarische Provenienzzurück auf des Prudentius 'Psychomachia', also auf eine Schöp-fung der christlichen Antike. Dieses seltsame phantastischeund schwungvolle Gedicht, das ja auch der Miniatur des'Hortusdeliciarum' zugrunde liegt, war im Mittelalter vielleicht dasgelesenste unter den Schulbüchern des höheren Trivialunter-richts, in zahllosen illustrierten Handschriften verbreitet 1 ).Gab es doch wie kein anderes der Anschauung eine Rrückezum Wissen. Aber allerdings der deutsche Spruch mutet unsaußerordentlich volkstümlich an, er ist nicht für Gelehrte,sondern für Laien gedichtet. Das gelehrte Rild war eben längstdurch die bildende Kunst populär geworden. Der Spruch selbst,der es bringt, steht in seiner Art und Form der ältesten erhaltenenGnomik der Fahrenden, der Spervogelschule, nahe, kann auch,wie Hildebrand in seiner allerletzten wissenschaftlichen Gabeausführte (Zeitschr. f. dtsch. Altert. 39, 5), von einem solchenSpielmann gedichtet sein.

III.

Heinrich von Veldeke hat in einem uns verlorenenGedicht nach dem Zeugnis des unbekannten Verfassers derDichtung 'Moriz von Craün' König Salomo ruhend in einemreichgeschmückten Rette, von der Minne erweckt und sie an-rufend dargestellt, und da der Anonymus, der nach der ebengekennzeichneten alten epischen Tradition ein prunkvolles Rettzu beschreiben hat, dieses durch Gleichstellung mit dem aus

x ) Vgl. Dietrich Reichling, Einleit. seiner Ausgabe des Doctri-nale Alexanders de Villa-Dei (Monumenta Germaniae Pädagogica Bd. 12),Berlin 1893, S. XVIII; Richard Stettiner, Die illustrierten Pruden-tiushandschriften, Berliner Dissertation 1895.