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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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Nachleben des griechisch-römischen Altertums 53

Die christliche Bildung ist seit ihrem Ursprung voll vonAllegorie und Symbolik. Die gesamte geistliche Literatur:Bibel, Bibelkommentare, die Hymnendichtung, die Predigtund die gesamte christliche Kunst bildet Allegorie und Sym-bolik förmlich zu einem System aus. Hier erwächst nun diewissenschaftliche Aufgabe, die reine Personifikation sei esvon Abstrakten (wie die sieben Tugenden und Laster, die siebenfreien Künste, die Ecclesia, das himmlische Jerusalem), seies von Konkreten (z. B. Luft, Winde und die in Kreuzigungs-bildern so häufigen Darstellungen von Ozean, Sonne, Mond)scharf zu scheiden einerseits von der förmlichen in Handlunggesetzten Allegorie und anderseits von der symbolischenVerwendung konkreter Dinge (Phönix und Pelikan für Christus,Drache für Teufel usw.). Die Libri Carolini, in denen der großeKaiser Karl fast wie ein protestantischer Aufklärer des 18. Jahr-hunderts durch seinen Hoftheologen Alkuin zwischen Bilder-verwerfung, Bilderzerstörung einerseits und Bilderanbetunganderseits die richtige Mitte zu finden glaubt mit dem Bekennt-nis und dem Befehl, daß die Bilder Mittel des Schmucks undder Erinnerung, Werke menschlicher Kunst, von den Händenverschieden begabter menschlicher Künstler seien und seinsollen, hatten es zwar als einen Widerspruch gegen die heiligeSchrift verpönt, die Erde, Sonne, Mond und Sterne, die Jahres-zeiten usw. in menschlicher Gestalt, mit verschiedenartigenGewändern bekleidet, darzustellen. Aber diese Abwehr derantiken Personifikationen und der mythologischen Figurenhatte nicht einmal in des Kaisers nächster Umgebung Erfolg.Sogar Alkuin selbst hat in einem sogenannten 'Titulus', d. h.einer poetischen Bildbeschreibung, bei der bildlichen Dar-stellung der Anbetung des Lammes und der 24 Ältesten Tellusund Oceanus zugelassen, und Bischof Theodulf von Orleans,ein anderer literarischer und geistlicher Vertrauensmann desKaisers, hat in einem Titulus ein Bildwerk geschildert, worindie Erde als kräftige, einen Knaben säugende Frau mit derMauerkrone, mit Füllhorn, Tympanon als Abzeichen erscheint,vor ihr der Wagen und das Lammgespann, ähnlich also einemKultbild der Kybele aus der römischen Kaiserzeit 1 ). In der

x ) Vgl. Hubert Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei,Berlin 1890, S. 16 19; Fr. Leitschuh, Geschichte der KarolingischenMalerei, Berlin 1894, S. 32-36.