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1,1 (1925) Mittelalter
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Richtlinien

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uns und deutsche Art, aber auch zur Achtung undzum Verständnis fremden Volkstums und seinerLeistungen? Um uns regen sich tausend Keime eines jungenLebens. Ein Drängen und Sehnen nach neuer Jugend, nachnatürlicher, freier, persönlicher und sozialer Gestaltung unseresStaates, unserer Gesellschaft, unserer körperlichen und geistigenBildung. Ineinander verschlungen glühen zahllose Triebe nachneuen Wertungen, nach einem neuen Menschenideal. Das deut-sche Gymnasium, der deutsche Unterricht helfe dem kommendenGeschlecht durch dieses Labyrinth ins Lichte. Die umfassendegeschichtliche Erkenntnis unseres Selbst, unseres Volkstums,unserer Sitte, unserer Sprache, unserer Sage, unserer Dichtungund Literatur werde der rettende Faden, der hinausleitet in denTag des freien Lebens und Schaffens. Dann mögen sich dereinstdiese Befreiten, Geschulten und Gestählten freuen der Sonne,die über einer dritten Blüte des deutschen Humanismus erstrahle.Selbwachsen und von echter heimatlicher Art soll der sein,aber fähig und bereit zu lebendiger Kenntnis auch aller ewigenSchöpfungen menschlicher Kultur von anderem nationalen Ge-halt, seien es die Denkmäler des hellenisch-römischen Altertums,seien es die Werke und Taten unserer modernen Mitkämpferim redlichen Wettbewerb um den Kranz des Ideals.

Weit und schwer ist der Weg. Lange wird es dauern, bisdie rechte Form diesem neuen Gymnasium geschaffen und dierechte Lehrart dem künftigen deutschen Unterricht gefundenwerde, bis die geeigneten Lehrer ihres Amtes zu walten ver-mögen. Von alledem wäre ein andermal zu reden. Nur der er-reicht hier das Mögliche, der das Unmögliche mit ernstem Sinnund beharrendem Mut fordert. Germanisten an die Front!

23. Juli 1914.

Wenige Tage nachdem die Niederschrift dieser Mahnungenan den Herausgeber der Zeitschr. f. d. d. Unterr. abgegangen war,brach über unser Vaterland die große Schicksalsstunde herein.Dem RufAn die Front!" folgten nun ungezählte Germanistenim eigentlichen, schönsten Sinne. Unter ihnen auch der Her-ausgeber dieser Zeitschrift. Nun erstand über Nacht durch einWunder die Einmütigkeit, die wir vermißten. Nun schweigtder Zwist der Parteien und Richtungen. Nun fühlen sich alle