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1,1 (1925) Mittelalter
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Richtlinien

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an Milton genährte Theorie der Sprache des Affekts und der ihreigenen Wortversetzungen hätten Breitinger und Bodmerniemals in das reguläre System Gottscheds Bresche gelegt. Undals ich vor Jahren zufällig veranlaßt wurde zu einer Unter-suchung der Sprache und Sprachtheorie Drydens und Popesund ihres Verhältnisses zur Sprache Shakespeares und Miltons,überraschte mich der genaue Parallelismus, der zwischen ihrenBemühungen um die klassizistische Regulierung der englischenDichtersprache und Gottscheds Maßstab und Begriff sprach-licher Korrektheit besteht.

An unserer Schriftsprache haben Nachahmung und bewußteEntlehnung viel größeren Anteil, als die landläufigen Dar-stellungen erkennen lassen. Das Werden der Schriftsprachehängt ab von den Bedürfnissen und Neigungen, von der Stärkeund Feinheit des Sprachbewußtseins, und dieses nährt sichvon grammatischer Reflexion, die vielfach aus dem Vergleichfremder Sprachen ihre Richtung empfängt. Darüber zu er-grimmen liegt nicht der mindeste Grund vor. Die große Tat des18. Jahrhunderts, die Erlösung unserer Schriftsprache aus derUnmündigkeit, aus dem Bann des grammatischen Schematismusund fremder Vorbilder kann man erst dann voll würdigen,wenn man den langen Leidensweg, aber auch die gewaltigeLeistung der vorangegangenen vier Jahrhunderte schriftsprach-licher Arbeit genau verfolgt, der in merkwürdigem Verein patrio-tischer Ehrgeiz und Begeisterung für deutsche Größe, anderer-seits schülerhafter Wetteifer mit dem Glanz vorgeschrittenererausländischer Literatursprachen den Stempel aufdrücken.

Der deutsche Sprachunterricht, der in solcher Erkenntnisseine Aufgabe erfüllt, wird die Lehre bestätigen, die sich auseiner u befangenen Betrachtung der Geschichte der deutschenLiteratur ergibt. Auch er wird auf das entschiedenste dennationalen Standpunkt vertreten. Aber auch er wird sich mitaller Schärfe widersetzen den nationalistischen Übertreibungenund Torheiten: jener pangermanischen Rasse-Mythologie, diesich einen Jehova der Weltkultur erfindet, der seit Äonen undin alle Ewigkeit dem germanischen Stamm und seinen Vorfahrendie Rolle des Protagonisten im Drama der Menschheitsentwick-lung überträgt.

Als ich ein Junge war, zur Zeit des deutsch-französischenKrieges, da spottete Groß und Klein des frechen Worts von der