Nachwort und Ausblick
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mahnend seine Stimme erhoben wider die Unduldsamkeit undKetzerrichterei, die der verdienstvolle Allgemeine deutscheSprachverein gegen alle ihm grundsätzlich nahestehende, seinenLeistungen volle Anerkennung gewährende Gelehrte ausübt,sofern sie sich das Recht und die Freiheit wahren, das Maß dernotwendigen oder zu besonderer stilistischer Wirkung ihnenwirksam erscheinenden Fremdworte selbst zu bestimmen(„ Sprachreinigung, FürstBismarck undHeinrich vonTreitschke",Preußische Jahrbücher, Mai 1914).
Die neuhochdeutsche Schriftsprache ist kein Naturgewächs.Sie ist ein wandlungsreiches, langsam geschaffenes Kunst-produkt. Und heißt alle Sprache mit Recht ein Spiegel derKultur jener Volkskreise, die darin ihr geistiges Leben aus-drücken, dann gilt das von der neuhochdeutschen Schrift-sprache in höchstem Maße. So begreift man es leicht, mag esauch dem allgemeinen wissenschaftlichen Bewußtsein nochfremd sein: die neuhochdeutsche Schriftsprache hat nicht bloßim Wortschatz fremde Zuflüsse aufgenommen. Außer denFremdworten hat sie auch anderes ausländisches Sprachgutsich angeeignet. Am sichtbarsten in der Syntax. Freilichliegen hier die Einwirkungen nicht immer ganz klar. Die Ver-meidung der Endstellung des Verbs im Nebensatz, die manneuerdings mehrfach als Verhunzung nach jüdischem Musterbrandmarken wollte (s. Behaghel a. a. 0 S. 233) ist, wie gesagt,auch in der frühneuhochdeutschen Prosa und in der mund-artlichen und Umgangssprache verbreitet. Aber wenn sie in derSprache der Geniezeit neu hervorbricht', als Element des feier-lichen und pathetischen Stils und gleichsam das Erkennungs-zeichen der revolutionären literarischen Geister wird, so hatdaran, wie Klopstock schon bezeugte, Luthers Bibeldeutschseinen Anteil, und dieses folgt hierin offenbar dem hebräischenOriginal. Auch die altgriechische Syntax hat in der deutschenDichtersprache des 18. Jahrhunderts Spuren hinterlassen. Aufdem Gebiet der Lautlehre ist, wie ich im Jahre 1894 in derFestgabe für Rudolf Hildebrand nachwies, der erfolgreiche Kampffür die Restitution der unbetonten e in Endungs- undAbleitungssilben unterstützt worden durch verwandte Be-strebungen in Frankreich (Du Bellay, Ronsard, Malherbe), inHolland (Daniel Heinsius), in Italien. Auch England hat aufdie neuhochdeutsche Schriftsprache eingewirkt. Ohne Addisons
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